Nordic Walking el Camino

17. Tag. 14.05.26. Comillas - Unquera

Das Bett im Hostel in Comillas war das bisher bequemste und gemütlichste auf meiner gesamten Reise. Entsprechend gut erholt mache ich mich gegen 7 Uhr morgens wieder auf den Weg. Miguel und ich laufen auch diese Etappe gemeinsam; wir sind mittlerweile ein richtig eingespieltes Team. Besonders schätze ich an ihm, dass er nicht zu viel redet - unser gemeinsames Gehen verläuft in einem guten Tempo, ohne viele Worte zu verlieren. Nach etwa vier Stunden legen wir an einer Taverne eine erste Pause zur Stärkung ein.

Das Wetter zieht heute wirklich alle Register. Von strahlendem Sonnenschein und Regenbögen bis hin zu peitschendem Regen ist alles dabei. Es ist zudem so stürmisch, dass ich fast froh über meinen schweren Rucksack bin - ohne ihn wäre ich von Winde verweht. In solchen Momenten sind ein heißer Kaffee und eine kurze Verschnaufpause im Trockenen wahre Wohltaten.

Unterwegs habe ich heute eine wichtige Erkenntnis in Sachen Verpflegung gewonnen. Bisher habe ich mir abends im Supermarkt immer Zutaten für Sandwiches gekauft, die ich dann als Ballast mit mir herumgeschleppt habe. Wegen des Regens hatte ich heute jedoch gar keine Lust, irgendwo im Freien eine Pause einzulegen, um mein Sandwich zu essen. Dabei wurde mir klar: Ich schaffe problemlos vier Stunden ohne Hunger, und wenn er sich doch meldet, ist eine Bar oder ein Café nie weit. Preislich macht es kaum einen Unterschied, aber ich spare mir das zusätzliche Gewicht im Rucksack und vor allem die wertvolle Zeit am Abend, die ich sonst für den Einkauf und die Vorbereitung geopfert hätte.

Mir wird immer bewusster, warum Miguel mir auf meinem Camino begegnet ist. Er bereitet mich auf die zweite Hälfte des Weges vor, vor allem was das richtige Tempo und eine unkomplizierte Selbstversorgung angeht.

Da die Herbergen in Colombres bereits ausgebucht waren, übernachte ich heute zwei Kilometer davor in Unquera. Mein Hotel liegt zwar direkt am Weg, aber die letzten 600 Meter dorthin hatten es in sich. Es fing so heftig an zu schütten, dass Miguel und ich innerhalb kürzester Zeit bis auf die Knochen nass werden. Vor dem Hotel verabschiede ich mich von Miguel, der heute in Colombres übernachtet. Wir haben uns aber fest vorgenommen, ab Llanes wieder ein Stück gemeinsam zu gehen.

Für morgen ist eine schwere Sturmwarnung mit Gewittern vorhergesagt. So leid es mir um den eigentlich wunderschönen Küstenweg tut, habe ich mich entschieden, bis 15 Uhr im Hotel zu bleiben und dann den Bus nach Llanes zu nehmen.

Heute habe ich gelernt, dass auf diesem Weg müssen viele Entscheidungen getroffen werden - und ich vertraue fest darauf, dass jede einzelne davon genau die richtige ist.