Nordic Walking el Camino

25. Tag. 22.05.26. Luarca - Navia

Gestern auf dem Weg nach Luarca ist es passiert: Die Haut über meiner Blase am Vorfuß ist abgerissen, und nun habe ich eine offene, über sechs Zentimeter große Wunde. Ich habe sie zwar sofort versorgt und mit einer sterilen Kompresse sowie mehreren Schichten Pflaster abgeklebt, aber es steht fest: Ich kann momentan absolut nicht mehr auftreten.

Da meine Unterkunft in Navia bereits im Voraus gebucht war, hatte ich gestern Abend noch überlegt, den Rucksacktransport-Service zu nutzen. Mein Plan war, irgendwie die 20 Kilometer ohne Last bis nach Navia zu humpeln. Leider kam mir diese Idee viel zu spät, und eine Buchung war so kurzfristig nicht mehr möglich.

So blieb mir nur eine vernünftige Entscheidung: Ich muss diese Etappe mit dem Bus überspringen, um der Wunde in Navia bis Sonntag die Chance zu geben, zu heilen. Die Verletzung ist einfach zu groß, und die Sorge vor einer Entzündung wiegt schwer. Natürlich ist es schade, erneut eine schöne Etappe zu verpassen, aber die Wahl ist am Ende klar: Entweder ich verzichte auf diese 20 Kilometer, oder ich riskiere bei einer Entzündung das komplette Ende meines Caminos.

In Navia hatte ich Glück im Unglück: Statt eines einfachen Zimmers habe ich ein komplettes Apartment zu einem sehr guten Preis bekommen. Ich habe mich im Supermarkt mit Vorräten eingedeckt und kann mich nun selbst versorgen, ohne das Haus verlassen oder meinen Fuß belasten zu müssen. Das erhöht die Chancen auf eine schnelle Heilung ungemein. Jetzt ist die Zeit gekommen, in der ich mich in Geduld üben muss - ich werde erst wieder losgehen, wenn die Zeit dazu wirklich reif ist.

Vor mir liegen noch über 200 Kilometer voller wunderschöner Aussichten und großer Herausforderungen. Ich freue mich schon jetzt darauf, diese Strecke bald wieder schmerzfrei genießen zu können.

Heute habe ich gelernt, dass Geduld oft die schwerste Etappe des Weges ist, aber die einzige Route, wenn das langfristige Ziel wichtiger ist als der Stolz des Augenblicks.