Nordic Walking el Camino

26. Tag. 23.05.26. Navia

So gut habe ich schon seit Wochen nicht mehr geschlafen! Die Müdigkeit der letzten Wochen und der Stress wegen der Wunde am Fuß haben ihren Tribut gefordert, sodass ich heute ganze zehn Stunden durchgeschlafen habe. Was für ein Glück ich mit diesem Apartment hatte: Es ist still, dunkel und das Bett sowie die Kissen sind unglaublich kuschelig.

Heute habe ich mich entschieden, noch bis Montag hierzubleiben. Die Wundheilung zeigt eine positive Tendenz, und ich hoffe, dass ich bis Montag wieder gehen kann. Momentan ist es meine wichtigste Aufgabe, den Fuß so wenig wie möglich zu belasten. Also sitze ich auf einer bequemen Couch und nutze die Zeit zum Arbeiten.

Heute ist mir etwas klar geworden, das ich bisher offensichtlich noch nicht verinnerlicht hatte. Der Camino ist auf 36 Etappen ausgelegt. Ich habe oft versucht, Zeit zu gewinnen, indem ich zwei Etappen an einem Tag bewältigt habe, aber man kann diesen Weg anscheinend nicht überlisten. Wenn man glaubt, zwei Tage „Vorsprung“ herausgearbeitet zu haben, zwingt einen der Weg plötzlich dazu, genau diese Zeit wieder an einem Ort, aus welchen Gründen auch immer, zu verharren. Eine erste Lektion dazu gab mir bereits die Fähre in Laredo, doch erst jetzt beginne ich, die Botschaft wirklich zu verstehen.

Ob man nun eilt oder sich dem vorgesehenen Tempo anpasst - am Ende scheint man nicht schneller als in den vorgesehenen 36 Tagen anzukommen. Ist das vielleicht das wahre Geheimnis des Camino?