Nordic Walking el Camino

19. Tag. 16.05.26. Llanes - Ribadesella

Heute Nacht habe ich mein Zimmer mit einem Kanadier und einer Französin geteilt, beide schätzungsweise über 60. Das war leider die schlimmste Nacht überhaupt: Die beiden haben sich die ganze Nacht beim Schnarchen abgewechselt. Die Französin hat wirklich alles gegeben und meiner Meinung nach diesen Wettbewerb haushoch gewonnen - Vive la France!

Nach knapp drei Stunden Schlaf hatte ich um 5:30 Uhr genug, packte meine Sachen, erledigte eine schnelle Katzenwäsche und war bereits um 6:30 Uhr unterwegs.

Obwohl Miguel und ich eigentlich verabredet waren, ab Llanes wieder gemeinsam zu laufen, startete ich erst einmal allein. Da wir keine Telefonnummern ausgetauscht hatten und in verschiedenen Herbergen untergebracht waren, ließ ich es auf den Zufall ankommen. Bis Nueva - der halben Strecke nach Ribadesella - hielt ich ein ordentliches Tempo und kam in knapp vier Stunden dort an. Miguels Lektionen in Sachen Schnelligkeit haben offensichtlich Früchte getragen.

In Nueva wurde gerade der Wochenmarkt auf der Hauptstraße aufgebaut. Ich suchte mir eine Taverne direkt am Weg, die bereits voller Einheimischer war, bestellte mir eine Tortilla sowie einen café con leche und setzte mich an einen Tisch direkt an der Tür. Kaum hatte ich mit meinem späten Frühstück begonnen, spazierte Miguel herein. Wir waren beide völlig verblüfft und freuten uns riesig über dieses unverhoffte Wiedersehen - dass er sich ausgerechnet dieselbe Taverne für seine Pause ausgesucht hatte, konnten wir beide kaum fassen!

Wir tauschten uns über unsere Herbergs-Erfahrungen und die Pläne für die nächsten Tage aus, beendeten unser Frühstück und zogen gemeinsam weiter. Ich habe das Gefühl, dass Miguel mich aus einem bestimmten Grund auf diesem Camino begleitet, auch wenn ich noch nicht ganz verstehe, warum. Wir harmonieren einfach: Wir gehen im gleichen Tempo, mal redend, mal schweigend, und fühlen uns dabei sehr wohl.

In Ribadesella gönnten wir uns ein hervorragendes Menú del día. Mein Mann, der mich jeden Tag motiviert und mir immer die besten kulinarischen Tipps für die jeweiligen Regionen gibt, hatte mir eingeschärft, in Asturien unbedingt Fabada zu probieren. Dieser typische Bohneneintopf aus großen weißen Bohnen ist ein Muss. Ich bestellte die Variante auf Fleischbrühe mit Chorizo und Morcilla, während Miguel sich für die Fabada mit Muscheln entschied. Beide Varianten waren unglaublich lecker!

Während ich heute in einer gemütlichen Pension in Ribadesella bleibe, warten auf Miguel noch weitere fünf Kilometer bis zum nächsten Dorf. Nach den 34 Kilometern, die wir heute bereits in den Knochen hatten, entschied er sich nach dem Essen vernünftigerweise für ein Taxi für das letzte Stück.

Morgen liegen 36 Kilometer vor mir nach Villaviciosa, die ich allein gehen werde. Da Miguel ein beachtliches Tempo vorlegt, werde ich ihn unterwegs wohl nicht einholen, aber wir haben uns fest für die gleiche Herberge am Zielort verabredet. Wir nutzen immer noch keine Handys für unsere Absprachen - ganz traditionell wie in den Zeiten, als es noch keine Mobiltelefone gab: Back to the roots.

Ich bin fest davon überzeugt, dass Menschen uns auf dem Camino nicht ohne Grund geschickt werden. Ob Miguel einfach eine angenehme Begleitung ist oder noch eine andere Bedeutung für mich hat, wird sich auf den zwei Etappen bis Gijón zeigen.

Heute habe ich gelernt, dass der Camino Menschen genau dann wieder zusammen führt, wenn es sein soll. Und ein guter Rat von zu Hause schmeckt in Form einer Fabada gleich doppelt so gut.