Nordic Walking el Camino

2. Tag. 29.04.26. San Sebastian - Zarautz

Man, mir tut einfach alles weh - besonders die Füße! Trotzdem packe ich meinen Rucksack und breche um 8 Uhr auf. Heute fühlt er sich allerdings so schwer an, als wäre er mit Blei gefüllt.

Der Weg ist heute besonders hart. Auf 16 Kilometern gibt es keine einzige Möglichkeit, sich mal hinzusetzen oder vernünftig zu frühstücken. Ich muss immer wieder den Rucksack abstellen, um mich kurz auszuruhen und etwas zu trinken. Schließlich entscheide ich mich, einfach mitten auf dem Weg anzuhalten und etwas zu essen, vor allem, um mir nicht komplett die Laune zu verderben.

Flachland gibt es heute kaum; es geht fast nur bergauf und bergab - und das bei einer miserablen Wegebeschaffenheit. Man muss höllisch aufpassen, auf den feuchten Steinen nicht auszurutschen und sich nichts zu dehnen oder zu brechen. Die Angst von meinem gestrigen Sturz sitzt mir dabei noch immer im Nacken.

Irgendwann spüre ich, wie sich an meiner kleinen Zehe regelrecht eine Blase aufbläht. Ein seltsames Gefühl! Ich entscheide mich, den Schmerz einfach zu ignorieren, was nach einer Weile sogar funktioniert. Dennoch bin ich viel langsamer unterwegs und mache nur kleine Tippelschritte, besonders bergab. Mittlerweile schmerzt jeder Schritt, weil meine Nagelbetten vom ständigen Anstoßen an den Schuhen entzündet sind. Mir ist fast schon nach Weinen zumute, und nur die tolle Landschaft hält mich davon ab.

Die meiste Zeit gehe ich allein und unterhalte mich ab und zu laut mit mir selbst. Dabei sage ich mir oft genau das, was ich sonst meinen Schülern beibringe: „Arme strecken, mehr Schwung, schieb dich mit den Stöcken nach vorne!“ Das hilft tatsächlich.

In Zarautz angekommen, entscheide ich mich, dort einen Tag zu bleiben, um wieder Kraft zu sammeln.

Heute habe ich gelernt: Wir tragen oft viel zu viele unnötige Dinge mit uns herum - sowohl physisch als auch mental. Sich dieser Last zu entledigen, erleichtert das Gewicht des Lebens ungemein.