Nordic Walking el Camino

5 Tag. 02.05.26 Itziar - Markina-Xemein

Eigentlich wollte ich heute schon um 6 Uhr loslegen, aber draußen war es noch viel zu dunkel. Also saß ich erst einmal fest in meine Decke eingewickelt auf dem Bett und habe gewartet, bis es hell wurde. Erst gegen sieben Uhr bin ich dann aufgebrochen. Draußen tobt schon seit der Nacht ein stürmischer Wind, und ich habe nur eine Hoffnung, dass das Wetter heute nicht allzu ungemütlich wird.

Mittlerweile scheint mein Körper das Gewicht des Rucksacks zu akzeptieren, aber meine Füße und Zehen protestieren lautstark. Ich werde wohl ein ernstes Wörtchen mit ihnen reden und sie davon überzeugen müssen, dass sie da jetzt einfach durchmüssen.

Den Großteil des Weges bin ich allein gelaufen, nur hin und wieder habe ich zwei junge Männer getroffen, die Spanisch untereinander und Englisch mit mir sprachen. Zwei andere Männer begrüßten mich in akzentfreiem Englisch. Wir haben uns ständig gegenseitig überholt und uns schließlich in der öffentlichen Herberge wiedergetroffen, wo wir fast zeitgleich ankamen. Da wegen der Feiertage alles ausgebucht ist, hofften wir alle inständig, dort noch einen Schlafplatz zu ergattern. Wenn man eine Stunde lang in der Schlange auf ein Bett wartet, kommt man zwangsläufig ins Plaudern.

Es stellte sich heraus, dass Travis aus Hawaii kommt und sein Kumpel aus Washington - was für ein weiter Flug bis hierher! Die Matratze direkt neben mir gehört einer Frau aus Australien.

Mein Abendessen besteht heute aus einer Empanada und Mandelkeksen aus dem Supermarkt, die ich im Gemeinschaftssaal esse. Ich bin wahnsinnig dankbar, dass es dort einen Wasserkocher und Tee gab. Mein Essen habe ich mit zwei mir unbekannten Personen geteilt. Ein älterer Mann hatte noch nie eine Empanada probiert und hat sich riesig über die Kekse gefreut - ich teile gerne.

Das Streckenprofil heute war das bisher härteste - besonders zum Schluss vor Markina-Xemein, meinem heutigen Ziel. Warum kommt das Schlimmste eigentlich immer erst am Ende?!

Jetzt bin ich völlig fix und alle. Es ist kurz vor 21 Uhr, und von der Decke strahlt ein grelles, kaltes Licht, aber ich verkrieche mich einfach mit dem Kopf tief in meinen weichen, kuscheligen Schlafsack. Ich schlafe fast sofort ein. Ein ganzer Schnarcher-Chor stimmt seine Kunststücke in den verschiedensten Tönen an, aber das stört mich heute nicht im Geringsten. Irgendwann geht das Licht aus, und auch die Schnarcher verstummen, während sie in einen tiefen Schlaf fallen.

Heute habe ich gelernt, dass ein extrem steiler Aufstieg kann manchmal einfacher sein als ein weniger steiler Abstieg.