Wir wurden heute Morgen mit dem „Ave Maria“ von Gounod geweckt. Im Gemeinschaftssaal war ein Lautsprecher aufgestellt, aus dem ohrenbetäubend laut Pilgerlieder dröhnten. Manche Pilger sangen sogar mit, was die Sache für mich allerdings nicht unbedingt besser machte.
Ich konnte kaum auf meine Füße treten, hatte aber keine andere Wahl, als loszugehen. Heute trage ich zwei Paar Socken übereinander, um meine demolierten Füße besser zu polstern. Warum zum Teufel habe ich das eigentlich nicht vom ersten Tag an gemacht?! Ich bin stolz auf jeden einzelnen Schritt, den ich heute schaffe. Da ich im Voraus ein Hotel in Gernika gebucht habe, muss ich mich zumindest nicht beeilen.
Nach vier Stunden erreiche ich Munitibar, die Hälfte der Strecke nach Gernika. Vor mir liegen noch 16 Kilometer, und ich habe keine Ahnung, wann ich bei meinem Tempo und mit diesen Schmerzen jemals dort ankommen soll. Während ich auf einer Bank sitze und an meinem Sandwich kaue, spiele ich ernsthaft mit dem Gedanken, den Bus nach Gernika zu nehmen. Ich habe echte Zweifel, ob ich es heute aus eigener Kraft bis zum Ziel schaffe. Meine Recherche ergibt, dass tatsächlich eine Verbindung besteht. Der Bus hält genau gegenüber, kommt in einer Stunde und kostet nur 2,20 €. Die Entscheidung steht fest - ich fahre die zweite Hälfte des Weges.
In Gernika angekommen, stellt sich im Hotel jedoch heraus, dass keine Reservierung auf meinen Namen vorliegt. Nach einer kurzen Diskussion bekomme ich schließlich doch noch ein Zimmer mit drei Betten zur Alleinnutzung für 70 €. Das ist mir in diesem Moment völlig egal. Später begreife ich, was für ein Glück es war, jemanden persönlich an der Rezeption erwischt zu haben. Normalerweise läuft hier alles über automatischen Check-in, und wäre ich erst abends zu Fuß angekommen, hätte ich ohne die „fehlende“ Reservierung vermutlich keine Bleibe für die Nacht gehabt.
Kaum bin ich auf dem Zimmer, bricht draußen ein Gewitter los - was für ein Timing! Ein weiteres Stück Glück für heute. Gegenüber vom Hotel gibt es einen Waschsalon, also nutze ich die Zeit für meine Wäsche. Nachdem ich die Maschine beladen und die Tür geschlossen habe, bemerke ich jedoch, dass ich aus Versehen die Maschine für Großmengen für 12 € statt der kleineren für 7 € gewählt habe. Ich versuche, die Wäsche noch einmal umzulegen, aber die Tür lässt sich nicht mehr öffnen, egal wie oft ich auf „Stop“ drücke. Panik steigt in mir auf, dass ich jetzt ohne meine Kleidung dastehe. Ich wähle die einzige Telefonnummer auf einem Aufkleber, aber niemand hebt ab - klar, es ist Sonntag!
Nach kurzem Durchatmen beschließe ich, einfach die Münzen einzuwerfen, und siehe da, die Maschine fängt an zu waschen. Die Aussicht, meine Sachen in 30 Minuten sauber zurückzuhaben, lindert den Stress über das zu teure Waschen und die 90 Cent, die die Maschine zusätzlich geschluckt hat. In der Zwischenzeit versuche ich, im Tourismusbüro einen Pilgerstempel zu bekommen - es ist geschlossen. „Nicht schlimm“, denke ich mir und will stattdessen die wunderschöne Kirche Santa Maria direkt daneben besichtigen - sie ist ebenfalls zu. Klar, es ist ja Sonntag!
Immerhin habe ich nach 40 Minuten meine saubere und trockene Wäsche zurück. Ich versorge meine Füße mit Salbe und mache es mir im Bett gemütlich. Morgen werde ich den Bus bis nach Bilbao nehmen und dort drei Nächte bleiben. Ich muss meine Füße einfach wieder in Ordnung bringen.
Heute habe ich einmal mehr etwas über mich selbst bestätigt: Ich weiß, wann es Zeit ist, aufzuhören.
Ich konnte kaum auf meine Füße treten, hatte aber keine andere Wahl, als loszugehen. Heute trage ich zwei Paar Socken übereinander, um meine demolierten Füße besser zu polstern. Warum zum Teufel habe ich das eigentlich nicht vom ersten Tag an gemacht?! Ich bin stolz auf jeden einzelnen Schritt, den ich heute schaffe. Da ich im Voraus ein Hotel in Gernika gebucht habe, muss ich mich zumindest nicht beeilen.
Nach vier Stunden erreiche ich Munitibar, die Hälfte der Strecke nach Gernika. Vor mir liegen noch 16 Kilometer, und ich habe keine Ahnung, wann ich bei meinem Tempo und mit diesen Schmerzen jemals dort ankommen soll. Während ich auf einer Bank sitze und an meinem Sandwich kaue, spiele ich ernsthaft mit dem Gedanken, den Bus nach Gernika zu nehmen. Ich habe echte Zweifel, ob ich es heute aus eigener Kraft bis zum Ziel schaffe. Meine Recherche ergibt, dass tatsächlich eine Verbindung besteht. Der Bus hält genau gegenüber, kommt in einer Stunde und kostet nur 2,20 €. Die Entscheidung steht fest - ich fahre die zweite Hälfte des Weges.
In Gernika angekommen, stellt sich im Hotel jedoch heraus, dass keine Reservierung auf meinen Namen vorliegt. Nach einer kurzen Diskussion bekomme ich schließlich doch noch ein Zimmer mit drei Betten zur Alleinnutzung für 70 €. Das ist mir in diesem Moment völlig egal. Später begreife ich, was für ein Glück es war, jemanden persönlich an der Rezeption erwischt zu haben. Normalerweise läuft hier alles über automatischen Check-in, und wäre ich erst abends zu Fuß angekommen, hätte ich ohne die „fehlende“ Reservierung vermutlich keine Bleibe für die Nacht gehabt.
Kaum bin ich auf dem Zimmer, bricht draußen ein Gewitter los - was für ein Timing! Ein weiteres Stück Glück für heute. Gegenüber vom Hotel gibt es einen Waschsalon, also nutze ich die Zeit für meine Wäsche. Nachdem ich die Maschine beladen und die Tür geschlossen habe, bemerke ich jedoch, dass ich aus Versehen die Maschine für Großmengen für 12 € statt der kleineren für 7 € gewählt habe. Ich versuche, die Wäsche noch einmal umzulegen, aber die Tür lässt sich nicht mehr öffnen, egal wie oft ich auf „Stop“ drücke. Panik steigt in mir auf, dass ich jetzt ohne meine Kleidung dastehe. Ich wähle die einzige Telefonnummer auf einem Aufkleber, aber niemand hebt ab - klar, es ist Sonntag!
Nach kurzem Durchatmen beschließe ich, einfach die Münzen einzuwerfen, und siehe da, die Maschine fängt an zu waschen. Die Aussicht, meine Sachen in 30 Minuten sauber zurückzuhaben, lindert den Stress über das zu teure Waschen und die 90 Cent, die die Maschine zusätzlich geschluckt hat. In der Zwischenzeit versuche ich, im Tourismusbüro einen Pilgerstempel zu bekommen - es ist geschlossen. „Nicht schlimm“, denke ich mir und will stattdessen die wunderschöne Kirche Santa Maria direkt daneben besichtigen - sie ist ebenfalls zu. Klar, es ist ja Sonntag!
Immerhin habe ich nach 40 Minuten meine saubere und trockene Wäsche zurück. Ich versorge meine Füße mit Salbe und mache es mir im Bett gemütlich. Morgen werde ich den Bus bis nach Bilbao nehmen und dort drei Nächte bleiben. Ich muss meine Füße einfach wieder in Ordnung bringen.
Heute habe ich einmal mehr etwas über mich selbst bestätigt: Ich weiß, wann es Zeit ist, aufzuhören.