Gestern hatte es die ganze Nacht geregnet. Als ich um 8 Uhr aus dem Fenster blickte, schien meine Entscheidung, den Bus nach Llanes zu nehmen, absolut richtig zu sein. Doch nach dem Frühstück war das Wetter plötzlich passabel zum Wandern, und ich entschied mich spontan, doch zu Fuß zu gehen. Kaum hatte ich meinen Rucksack fertig gepackt, fing es jedoch wieder an zu regnen. Dieses Hin und Her setzte sich den ganzen Vormittag fort, und die Zweifel zerrissen mich regelrecht: Hatte ich die richtige Wahl getroffen?. Einerseits verpasste ich eine schöne Strecke, andererseits blieb ich trocken und konnte eine Menge Arbeit nachholen.
Ich blieb bis kurz vor 15 Uhr im Restaurant des Hotels und arbeitete dort hochkonzentriert und vertieft, während draußen immer wieder heftige Schauer niedergingen. Am Ende festigte sich meine Meinung: Die Entscheidung war richtig. Man muss immer auf seine innere Stimme hören, auch wenn es unglaublich schwer ist, die begleitenden Zweifel einfach abzustreifen.
Mit dem Bus war ich in nur 20 Minuten in Llanes. Nachdem ich in die Herberge eingecheckt und mein Bett hergerichtet hatte, machte ich mich auf den Weg in die Stadt. Dabei merkte ich, wie leicht sich selbst das Treppensteigen anfühlt, wenn man keine schwere Last auf dem Rücken trägt und die „innere Batterie“ wieder aufgeladen ist.
Llanes ist unglaublich schön, besonders die Seite direkt an der Küste. Während meines Spaziergangs am hohen Ufer verspürte ich plötzlich das dringende Bedürfnis, meine Schuhe auszuziehen und barfuß im kühlen Gras zu stehen. Ich gab diesem Wunsch nach und weiß gar nicht, wie lange ich so dort stand und einfach nur die Wellen beobachtete, bevor ich weiterging.
Am Ufer traf ich Denny und Travis wieder. Travis hat es leider erwischt; er ist erkältet und es scheint ihm überhaupt nicht gut zu gehen. Wir tauschten uns über unsere heutigen Unterkünfte aus, und dabei wurde mir klar: Ich habe heute definitiv die falsche Herberge gewählt. Sie ist furchtbar und die bisher am schlechtesten ausgestattete auf meinem Weg. Ich habe mich schlichtweg vom Äußeren täuschen lassen. Wieder nur Einwegbettwäsche, schlechte Betten, Unisextoiletten und -duschen - und in der Küche gibt es nicht einmal Besteck. Es ist schrecklich!.
Ich habe keine Ahnung, welcher Teufel mich geritten hat, ausgerechnet diese Herberge zu reservieren und nicht die andere, die saubere Bettwäsche und eine gute Küche bot. Meine Entscheidung für morgen steht fest: Ich werde höchstens Zähne putzen, schnell meinen Rucksack packen und sofort verschwinden. Heute habe ich wieder einmal verinnerlicht, dass man aus zwei schlechten Varianten immer versuchen sollte, die zumindest etwas bessere für sich herauszufiltern.
Heute habe ich gelernt, dass man zwar der äußeren Witterung entkommen kann, aber die wichtigste Lektion ist, auf das eigene Wohlbefinden zu hören - und selbst aus Fehlgriffen wie einer schlechten Herberge die nötige Konsequenz für den nächsten Schritt zu ziehen.