Heute stand eine flache Etappe an, was eine wahre Wohltat für meine Füße war. Da die Strecke fast komplett asphaltiert ist, kamen heute durchgehend die Gummikappen für meine Stöcke zum Einsatz. Ich habe mich für eine Abzweigung entschieden, die direkt am Fluss entlangführt. Auch wenn der Abschnitt zwischen Bilbao und Getxo durch ein eher eintöniges Industriegebiet verläuft, war der ebene Boden genau das, was meine Füße jetzt gebraucht haben.
Nach zweieinhalb Stunden erreichte ich Getxo und setzte mit der historischen Schwebefähre ans andere Ufer nach Portugalete über. Nach einem gemütlichen Frühstück am Flussufer ging es weiter. In Portugalete habe ich mich prompt eine Stunde lang verlaufen - aber einmal am Tag die Orientierung zu verlieren, gehört mittlerweile fast schon zum festen Programm!
Das Wetter war herrlich: Die Sonne im Rücken, aber nicht zu warm. Mein hässlicher Hut hat mir wieder treue Dienste als Schattenspender erwiesen. Heute hatte ich ein tolles Tempo und richtig gute Laune; es scheint, als würden meine Schmerzrezeptoren langsam ermüden und ich komme sehr gut vorwärts. Da es zwischen Portugalete und Pobeña keine einzige Trinkstelle gab, musste ich mit meinem Wasservorrat haushalten - gut, dass ich noch eine Reserve von 300 ml dabei hatte.
Kurz nach 13 Uhr erreichte ich Pobeña und bezog mein Quartier in der öffentlichen Herberge. Der Ort ist winzig. Es gibt weder einen Supermarkt noch einen Bäcker, dafür reihen sich aber gleich vier Bars auf einem Fleck aneinander. Mein Alltag hat sich mittlerweile eingespielt: sieben bis acht Stunden gehen, in der Herberge einchecken, den Schlafplatz organisieren, duschen, Wäsche waschen und schauen, wo man Proviant für den nächsten Tag herbekommt.
Immer, wenn ich meine Sachen per Hand wasche, muss ich an meine Mutter denken. Sie hat meiner Schwester und mir die richtige Technik beigebracht und streng darauf geachtet, dass wir die Wäsche auf richtige Weise auswringen. Das ist wie Fahrradfahren - man verlernt es nie. Ich bin meiner Mutter sehr dankbar, dass sie uns solche praktischen und wichtigen Dinge für das Leben mitgegeben hat.
Heute habe ich gelernt, dass der Weg nicht immer spektakulär sein muss, um sich gut anzufühlen - manchmal ist ein flacher Pfad und ein eingespielter Rhythmus genau das Richtige.