Nordic Walking el Camino

28. und 29. Tage. 25./26.05.26. Navia

2026-05-31 16:15
Die letzten Tage in Navia fühlten sich an wie eine emotionale Achterbahnfahrt - eine Art Trauerprozess um das verlorene Tempo meines Weges. Ich erinnere mich noch genau an Miguels Warnung: „Mach bloß die Haut deiner Blasen nicht ab, sonst kannst du nicht mehr gehen“. Genau das ist bei mir jedoch von allein passiert, und als ich das Ausmaß der Wunde in Luarca zum ersten Mal sah, wollte ich es schlichtweg nicht wahrhaben.

Es folgten Tage voller innerer Verhandlungen mit mir selbst. Ich verlängerte mein Apartment erst um eine Nacht, dann um die nächste, getrieben von der fast schon naiven Hoffnung, eine solche Verletzung würde innerhalb von zwei oder drei Tagen heilen. In meinem Kopf spielte ich unzählige Szenarien durch: Sollte ich den Rucksacktransport nutzen und zumindest die elf Kilometer bis nach La Caridad humpeln? Oder sollte ich erneut den Bus nehmen?

Heute bin ich endlich an einem Punkt der Akzeptanz angekommen und habe mein Apartment fest bis Freitag verlängert.

Einmal am Tag wage ich mich hinaus, um zu testen, wie belastbar mein Fuß ist, und um durch die Bewegung die Durchblutung und damit die Heilung zu fördern. Zu meiner riesigen Freude funktioniert das Gehen heute schon viel besser als gestern. Ich kann vorsichtig mit dem ganzen Fuß auftreten und habe sogar eine etwas längere Strecke geschafft. Das gibt mir die feste Zuversicht, meinen Weg am Freitag tatsächlich fortsetzen zu können. Ob es direkt wieder eine 30-Kilometer-Etappe wird oder doch erst eine kürzere Strecke, lasse ich noch offen.

Es ist faszinierend, wie viele Emotionen eine eigentlich unkomplizierte Situation auslösen kann, nur weil die Dinge nicht nach Plan laufen. Doch so ist das Leben: Wir schmieden Pläne und wollen ihnen punktgenau folgen, aber oft müssen wir einfach lernen, tief durchzuatmen, abzuwarten und anzunehmen, was ist. Vieles löst sich dann fast von allein.

Heute habe ich gelernt, dass Pläne nur Wegweiser sind, keine Gesetze. Wahre Stärke zeigt sich darin, den Rhythmus des Lebens zu akzeptieren, auch wenn er uns zum Stillstand zwingt.