Nach dem Pausentag in Zarautz läuft es sich direkt viel fröhlicher, und auch mein Rucksack fühlt sich ein wenig leichter an - vor allem, weil ich keine zwei Liter Wasser mehr als Reserve mitschleppe. Unterwegs gibt es zum Glück genug Trinkstellen, an denen man nachfüllen kann.
Meinen Marsch beginne ich am Strand von Zarautz und entscheide mich, direkt am Meer zu frühstücken. Es ist toll zuzusehen, wie viele Surfer schon im Wasser sind und versuchen, die perfekte Welle zu erwischen.
Was meine „Baustellen“ angeht: Der Schorf am Knie scheint endlich Ruhe zu geben. Dafür versuche ich gerade, intensiv mit meinen Zehen zu verhandeln. Durch die steilen und unebenen Abstiege sind mittlerweile mehrere Nagelbetten in Mitleidenschaft gezogen. Außerdem habe ich gleich mehrere Blasen an beiden kleinen Zehen - wie ist das überhaupt möglich?!
Der Weg heute ist hart. Irgendwann fange ich an, auch den Schmerz in meinen Hüften zu spüren. Zudem brennt die Sonne ordentlich, was die Wanderung nicht gerade leichter macht. Ich trage wohl den hässlichsten Hut aller Zeiten, aber Hauptsache, er erfüllt seinen Zweck und schützt Gesicht und Nacken. So habe ich zumindest eine Sorge weniger.
Wegen eines Feiertags sind heute auch viele Einheimische unterwegs. Da alle Hotels und Herbergen ausgebucht sind, bleibe ich in einem Hotel-Restaurant kurz vor Deba. Ein Zimmer ganz für mich allein! Und das sogar mit Außenrollos und eigener Terrasse - was für ein Luxus!
Die Küche des Restaurants ist großartig, also gönne ich mir zur Feier des Tages ein einheimisches Dessert, was mir sonst nur selten passiert. Während ich zu Abend esse, mache ich mir allerdings Gedanken über morgen. Ich konnte heute keine Unterkunft für den nächsten Tag reservieren, also muss ich versuchen, einen Platz in der öffentlichen Pilgerherberge zu ergattern. Das heißt, ich sollte bis 14 Uhr in Markina-Xemein sein. Bis dahin liegen etwa sieben Stunden Fußmarsch auf einem abartig komplizierten Weg vor mir; mit Pausen werden es sicher acht Stunden. Ich mache mir wirklich Sorgen, ob ich es mit meinen lädierten Zehen überhaupt bis zum Ziel schaffe.
Heute habe ich gelernt, dass Spontanität nicht immer gut ist. Man sollte ab und zu planen, da auch andere Menschen ihre Pläne haben.