Nach und nach weite ich meine Gehstrecke aus, und heute konnte ich stolze 2,2 Kilometer bis zum Strand von Navia zurücklegen. Es fühlt sich großartig an: Ich kann bereits wieder größere Schritte machen, ohne dass mein Fuß „meckert“.
Als ich im nassen Sand stand und die anrollenden Wellen beobachtete, überkam mich ein ganz besonderes Gefühl. Es ist die Erkenntnis, an einem so wunderschönen, entspannten Ort sein zu können und gleichzeitig meine Arbeit zu erledigen. Obwohl ich auf dem Jakobsweg unterwegs bin, leite ich weiterhin meine Online-Gruppe. Die Zwangspause hat sogar etwas Gutes: Ich habe die nötige Ruhe, um eine wirklich schöne Präsentation für meine Mädels für diese Woche vorzubereiten.
Ich genieße die Vorzüge der Online-Arbeit momentan in vollen Zügen. Es ist ein Privileg, von jedem Land der Welt aus arbeiten zu können. Meine Klienten sind über den gesamten Globus verstreut, und doch finden wir digital alle zusammen. Mir fällt auf, dass ich hier ganz anders arbeite - viel entspannter. Das Konzept „morning walking, afternoon working“ funktioniert für mich perfekt. Mein Kopf ist frei, die Ideen fließen von ganz allein, und ich kann sie ohne Mühe sofort umsetzen.
Gerade sitze ich im Schatten einer Strandbar, genieße einen café con hielo und schreibe diese Zeilen. Es fühlt sich überhaupt nicht nach harter Arbeit an. Diese Erfahrung ist so bereichernd, dass ich in diesem Jahr unbedingt weiter testen möchte, wie sich Reisen und Arbeit optimal verbinden lassen. Ich bin mir sicher: Ein Tapetenwechsel macht unglaublich viel aus.
Meine wichtigste Erfahrung auf dem Camino ist bisher: Wenn man - manchmal auch unfreiwillig - vom geplanten Weg abweicht, findet man oft die schönsten Plätze. In unserem Alltag und Beruf verharren wir meist in festen Routinen und denken gar nicht daran, von ihnen abzuweichen. Aber was wäre, wenn wir es einfach öfter wagen würden?
Heute habe ich gelernt, das ein Umweg keine Zeitverschwendung ist, sondern oft die Einladung des Lebens, neue Horizonte und die eigene Freiheit zu entdecken.