Nordic Walking el Camino

23. Tag. 20.05.26. Salinas - Soto de Luiña

2026-05-26 17:32
Es ist immer wieder erstaunlich, welche Wunder ein guter Schlaf bewirken kann. Wenn man, wie ich heute nach zwei zusammengelegten Etappen, völlig erschöpft am Ziel ankommt und glaubt, am nächsten Tag keinen Schritt mehr gehen zu können, fühlt sich die Welt nach einer Nacht ganz anders an. Der Zustand bessert sich zusehends, und selbst die Muskelschmerzen scheinen über Nacht fast wie von selbst zu verschwinden.

Meine Entscheidung steht fest: Für eine Weile werde ich nur noch in Pensionen oder günstigen Hotels übernachten. Die Privatsphäre, eine eigene Dusche und die Gewissheit, eine Nacht gemütlich durchschlafen zu können, sind mir momentan wichtiger als alles andere. Ich habe schlichtweg genug von der Rücksichtslosigkeit mancher Mitpilger in den Schlafsälen.

Der heutige Tag verspricht warm zu werden; schon seit dem frühen Morgen zeigt sich kein einziges Wölkchen am Himmel. So wandert meine Jacke früh in den Rucksack, und ich tausche sie gegen meinen - zugegeben etwas ungeliebten - Hut ein. Der Weg führt mich in stetem Wechsel durch schattige Waldstücke und über den harten Asphalt der Dörfer.

Dieser Asphalt hat es wirklich in sich! Immer wieder muss ich beim Erreichen eines Dorfes steile Anstiege bewältigen. Oft ist der Boden so spiegelglatt, dass meine Stöcke überhaupt keine Haftung finden und ich mich mit viel Mühe ohne ihre Hilfe den Berg hochkämpfen muss. Wenn der Asphalt etwas rauer ist, kann ich die Stöcke zwar nutzen, doch das rhythmische Klacken scheint die Dorfhunde erst recht zu provozieren. Da ich heute viele Ortschaften passiere, werde ich fast ununterbrochen angebellt. Zum Glück sind die meisten Hunde entweder angekettet oder hinter hohen Mauern, die sie - trotz einiger beunruhigender Sprungversuche - nicht überwinden können.

Trotz der Anstrengung bin ich gut vorangekommen und habe heute wieder zwei Etappen an einem Tag bewältigt. Am frühen Nachmittag erreiche ich meine Unterkunft: eine sehr nette Pension mit einem großen Garten, in dem ich wunderbar ausruhen und mich auf den nächsten Tag vorbereiten kann.

Allerdings beschleichen mich beim Blick auf die morgige Etappe leise Zweifel: Über 34 Kilometer mit vielen Höhenmetern liegen vor mir, und es soll noch heißer werden als heute. Werde ich das schaffen? Doch mein Mann spricht mir am Telefon Mut zu und ist sich sicher, dass ich es packen werde. Mit diesem Zuspruch im Rücken habe ich bereits ein Hotel für morgen gebucht und versuche, nicht weiter über die kommende Hitze nachzugrübeln. Jetzt zählt nur noch die Ruhe.

Heute habe ich gelernt, dass guter Schlaf die beste Medizin für müde Muskeln ist, und dass der Zuspruch eines geliebten Menschen selbst die größten Zweifel vertreibt.