Nordic Walking el Camino

22. Tag. 19.05.26. Gijón - Salinas

2026-05-25 15:44
Und wieder bin ich allein unterwegs. Es dauert eine ganze Stunde, bis ich Gijón hinter mir gelassen habe. Im Gegensatz zu den kleineren Orten erwacht die Großstadt schon früh: Cafés und Bäckereien haben bereits um 7 Uhr geöffnet, und der Duft von frisch gebackenem Gebäck begleitet meine ersten Schritte.

Die heutige Etappe führt mich jedoch durch eine wenig einladende Kulisse aus unzähligen Metallwerken und Industriegebieten. Den Großteil der Strecke lege ich auf Nationalstraßen mit extrem viel Verkehr zurück - mal auf dem Seitenstreifen, mal direkt am Fahrbahnrand. Wenn die schweren Lastwagen an mir vorbeirasen, fühle ich mich alles andere als wohl. Zudem haben meine Wanderstöcke auf dem spiegelglatten Asphalt kaum Halt, weder mit noch ohne Gummikappen, was besonders bei Steigungen zur echten Kraftprobe wird. Immerhin spielt das Wetter mit: Es ist bewölkt, aber trocken - ideale Bedingungen zum Laufen.

Später muss ich Avilés durchqueren, eine weitere ziemlich große Stadt. Ehrlich gesagt mag ich es überhaupt nicht, durch Großstädte zu wandern. Oft fehlen die Markierungen, und selbst die App ist keine große Hilfe. Die Luft ist schwer von Abgasen, und man muss ständig anderen Fußgängern ausweichen. Ich merke immer deutlicher, dass ich mich im freien Gelände - in Wäldern oder Feldern - viel wohler und ruhiger fühle.

Gegen 14 Uhr erreiche ich Salinas, eine Stunde vor der offiziellen Check-in-Zeit. Die nette Dame an der Rezeption lässt mich zwar schon aufs Zimmer, berechnet mir aber einen höheren Preis als auf der Homepage angegeben. Ich verbuche das unter der Kategorie „Frühcheck-in-Aufschlag“ und diskutiere erst gar nicht darüber. Nachdem ich meine Füße versorgt habe, wasche ich meine Kleidung im Waschbecken. Ich habe mittlerweile gelernt, wie man Wäsche im Hotel so wäscht, dass sie schnell trocknet. Die nasse Kleidung kommt direkt auf die voll aufgedrehte Heizung. Man muss danach zwar kräftig lüften, aber das ist das kleinste Problem.

Salinas selbst ist eine Stadt der Kontraste. Auf der einen Seite prachtvolle Villen in Strandnähe, auf der anderen Seite triste Betonklötze und Industrieanlagen am Stadtrand. Meine Suche nach einem Abendessen gestaltet sich schwierig. In dieser Kleinstadt schließen montags und dienstags fast alle Restaurants bereits um 18 Uhr. In einem der wenigen offenen Cafés bekomme ich zwar etwas zu essen, aber es ist das schlechteste Essen, das ich seit langer Zeit hatte. Zu allem Überfluss dröhnt aus einem Lautsprecher direkt über meinem Tisch unglaublich lauter „Trash-Rock“. Obwohl der Laden rappelvoll ist, kann ich nicht begreifen, wie man das Essen bei diesem Lärm genießen soll. Ich esse so schnell wie möglich, lasse mein ungenießbares Getränk stehen und flüchte aus diesem Ort.

Für morgen habe ich mir direkt wieder ein Hotelzimmer gebucht. Ich habe vorerst genug von den Menschenmassen in den Schlafsälen. Wenn der Weg schon so fordernd ist, möchte ich mir wenigstens den Nachmittag gemütlich machen, mich richtig ausruhen und Kraft für die nächste Etappe sammeln.

Heute habe ich gelernt, dass ein Zimmer für sich allein kein Luxus ist, sondern notwendige Seelenpflege, besonders wenn der Weg durch grauen Asphalt und lauten Lärm führt.