Nordic Walking el Camino

24. Tag. 21.05.26. Soto de Luiña - Luarca

2026-05-27 10:44
Heute war der Tag gekommen, der mir schon gestern ein wenig Sorgen bereitet hatte. Ich hatte die Wahl zwischen zwei Routen: einem Weg über den Berg - schattenlos, der Hitze ausgeliefert und ohne jede Verpflegungsmöglichkeit - oder dem etwas längeren Küstenweg, an dem sich sicher ein Café für eine Pause finden ließe. Ich entschied mich für die Küste und habe es keine Sekunde bereut. Auch hier ging es zwar stetig bergauf und bergab, aber überwiegend durch Wälder, die mir lebensrettenden Schatten und atemberaubend schöne Aussichten schenkten. Auf den Naturpfaden hatten meine Stöcke endlich wieder eine sichere Haftung, sodass ich zügig vorankam. Die Dörfer entlang des Weges waren so klein, dass mich die seltenen Asphaltabschnitte kaum störten - und zu meiner Erleichterung wurde ich heute kein einziges Mal von Hunden angebellt!

Nach vier Stunden Marsch, etwa auf halber Strecke nach Luarca, bot sich die Gelegenheit für eine Pause in einem der wenigen Cafés am Weg. Die Anzeige der benachbarten Apotheke zeigte stolze 37 °C, und die kühle Zitronenlimonade mit Eiswürfeln war ein wahrer Segen. Die zweite Hälfte des Weges verlief eher flach an unzähligen Feldern vorbei, bot jedoch kaum noch Schatten. Wenn sich doch einmal ein schattiges Plätzchen fand, wollte man am liebsten gar nicht mehr weitergehen. Es ist mir ein Rätsel, wie Menschen diese Strecke im Hochsommer pilgern können.

Luarca selbst ist ein wunderschönes Dorf mit einem charmanten kleinen Hafen. Mein Hotel liegt direkt am hübschen Dorfplatz, und mein Zimmer hat gleich drei bodentiefe Fenster, die mir einen großartigen Ausblick in zwei Richtungen bieten. Obwohl es nur ein Ein-Sterne-Haus ist, fühle ich mich durch die schlichte, aber geschmackvolle Einrichtung wie in einem Luxushotel. Nach den Nächten in Herbergen erscheint mir jedes noch so mittelmäßige Hotel wie eine Fünf-Sterne-Unterkunft. Es ist erstaunlich, wie wenig wir eigentlich brauchen, um glücklich zu sein.

Heute habe ich gelernt, dass man sich unbedingt Ziele stecken muss, besonders wenn sie im ersten Moment unerreichbar scheinen - denn ohne ein klares Ziel hat man gar keine Chance, wirklich voranzukommen.