<?xml version="1.0" encoding="utf-8"?>
<rss version="2.0" xmlns:yandex="http://news.yandex.ru" xmlns:turbo="http://turbo.yandex.ru" xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/">
  <channel>
    <title>Nordic Walking el Camino</title>
    <link>https://heleneknoll.com</link>
    <description>Blog einer Nordic Walking Trainerin aus Düsseldorf, die mehr als 800 km zu Fuß auf dem Camino de Santiago del Norte geht.</description>
    <language>ru</language>
    <lastBuildDate>Sun, 24 May 2026 19:06:03 +0300</lastBuildDate>
    <item turbo="true">
      <title>Warum machst du das?</title>
      <link>https://heleneknoll.com/nordic-walking/leug14yx71-warum-machst-du-das</link>
      <amplink>https://heleneknoll.com/nordic-walking/leug14yx71-warum-machst-du-das?amp=true</amplink>
      <pubDate>Wed, 29 Apr 2026 19:00:00 +0300</pubDate>
      <author>Helene Knoll</author>
      <enclosure url="https://static.tildacdn.com/tild3163-3936-4335-a562-306162653463/Kopie_von___3.png" type="image/png"/>
      <description>Ihr fragt mich ständig nach dem "Warum" - was wirklich dahintersteckt, dass ich den Jakobsweg gehen will. Diese Frage werde ich heute euch und vor allem mir selbst beantworten.</description>
      <turbo:content><![CDATA[<header><h1>Warum machst du das?</h1></header><figure><img alt="" src="https://static.tildacdn.com/tild3163-3936-4335-a562-306162653463/Kopie_von___3.png"/></figure><div class="t-redactor__text">Diese Frage stellt mir jeder, der erfährt, dass ich den Jakobsweg gehen werde.<br />Warum mache ich es also? Das ist eine gute Frage, die ich vor allem mir selbst beantworten muss.<br /><br />In meiner beruflichen Vergangenheit liegen zwölf Jahre Erfahrung als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Daher bin ich es gewohnt, Dinge zunächst durch Ausschlusskriterien einzugrenzen und dann den Rest einzuordnen. Das werde ich auch bei der Beantwortung dieser Frage tun und zuerst die Gründe ausschließen, warum ich es nicht mache. <br /><br />Ich mache es nicht aus religiösen oder spirituellen Gründen. Ich suche weder nach Gott, Absolution oder Eingebung noch nach Inspiration oder Hoffnung. Ich fliehe auch nicht vor meinem Leben, und ich muss nicht wieder bei null anfangen.<br /><br />Warum begebe ich mich also eigentlich auf den langen Jakobsweg?<br /><br />In meiner Jugend habe ich neun Jahre der Leichtathletik und dem Basketball gewidmet. In beiden Sportarten musste man sich immer wieder beweisen und die eigenen Leistungen verbessern. Ich habe 25 Stunden pro Woche trainiert, dazu kamen dreimal wöchentlich Sportunterricht in der Schule und viele Wochenenden mit Wettbewerben. Wir trainierten das ganze Jahr über, inklusive der Ferien. Und ja, ich habe vieles in diesen Sportarten erreicht. Und ich habe es geliebt.<br /><br />Für mich fühlt es sich seltsam an, dass ich Nordic Walking unterrichte, aber bisher noch keine herausragende Leistung in dieser Sportart erbracht habe. Das ist der wahre Grund, warum ich mich auf den Jakobsweg begebe. Ich möchte wissen, ob ich die mehr als 850 km ausschließlich zu Fuß mit meinen Stöcken schaffe. Ich trete in einen Wettbewerb gegen mich selbst an.<br /><br />Ein anderer Grund ist der Wunsch, meine Grenzen zu testen. Grenzen im Umgang mit fremden Menschen. Grenzen des eigenen Körpers. Grenzen meiner mentalen Stärke.<br /><br />Ich habe mir vorgenommen, den Nordpfad in einem Monat zu bewältigen, was mein Vorhaben nicht gerade erleichtert. Ich weiß, wie schwer es ist, jeden Tag etwa 30 bis 35 km zu gehen, aber dieses Ziel habe ich mir selbst gesteckt. Ich suche (leider) keine leichten Wege.<br /><br />Ich bewundere Menschen, besonders Frauen, die sich trauen den Everest zu besteigen. Camino de Santiago del Norte ist mein Everest.</div>]]></turbo:content>
    </item>
    <item turbo="true">
      <title>Wir packen unsere Ängste ein</title>
      <link>https://heleneknoll.com/nordic-walking/hxy9yhml81-wir-packen-unsere-ngste-ein</link>
      <amplink>https://heleneknoll.com/nordic-walking/hxy9yhml81-wir-packen-unsere-ngste-ein?amp=true</amplink>
      <pubDate>Fri, 01 May 2026 19:00:00 +0300</pubDate>
      <author>Helene Knoll</author>
      <enclosure url="https://static.tildacdn.com/tild3465-3837-4163-b633-363734666237/Design_ohne_Titel_3.png" type="image/png"/>
      <description>Man sagt, dass auf den Camino man eigene Ängste einpackt. Was wohl für Ängste habe ich eingepackt?</description>
      <turbo:content><![CDATA[<header><h1>Wir packen unsere Ängste ein</h1></header><figure><img alt="" src="https://static.tildacdn.com/tild3465-3837-4163-b633-363734666237/Design_ohne_Titel_3.png"/></figure><div class="t-redactor__text">Man sagt, dass auf den Camino man eigene Ängste einpackt. Ich habe eine Menge an Nahrungsergänzung, Pflaster, Zeug für erste Hilfe, Regenausrüstung inklusive Poncho, Hose, Schuhüberzieher und sogar Regenschutz für meinen Rücksack, 5 Paar dünne Wohlsocken eingepackt. Noch überlege ich es mir, ob ich ein zweites Paar Turnschuhe einpacke für den Fall, falls meine andere Schuhe nass werden. Was wohl für Ängste habe ich eingepackt?<br /><br />Wenn ich ehrlich bin, ist mein Rucksack nicht nur mit Dingen gefüllt, sondern mit Szenarien. Mit „Was wäre wenn“. Was, wenn mein Körper nicht durchhält? Was, wenn ich Blasen bekomme, die mich zum Aufgeben zwingen? Was, wenn ich krank werde, erschöpft bin oder einfach nicht mehr kann? Zwischen Pflastern und Vitaminen steckt die leise Angst, dass mein Körper mich im Stich lassen könnte.<br /><br />Dann ist da der Regen. Eigentlich nur Wasser. Und doch fühlt er sich in meiner Vorstellung an wie ein Gegner. Ich habe mich ausgerüstet, als würde ich gegen tagelange Nässe kämpfen müssen. Vielleicht, weil ich Angst habe vor diesem Zustand, in dem alles klamm ist - Kleidung, Schuhe, Gedanken. Vor dem Moment, in dem Unbehagen nicht mehr nur körperlich ist, sondern in den Kopf kriecht.<br /><br />Und die Socken. Fünf Paar. Als könnte ich damit verhindern, was auf so einem Weg fast unvermeidlich ist: Blasen, Nässe, Reibung. Dass ich an meine Grenzen komme. Als könnte ich verhindern, dass es überhaupt unangenehm wird. <br /><br />Am meisten verrät mich aber der Gedanke an ein zweites Paar Schuhe. Es ist nicht nur praktisch gedacht. Es ist ein Zweifel. Was, wenn ich mich falsch entschieden habe? Was, wenn meine Wahl nicht gut genug ist? Es ist der Versuch, eine Hintertür offen zu lassen, bevor ich überhaupt losgegangen bin.<br /><br />Vielleicht ist genau das der Kern: Ich versuche, Kontrolle mitzunehmen in eine Reise, die sich genau dieser Kontrolle entzieht.<br /><br />Der Camino wird nicht planbar sein. Nicht vollständig. Es wird regnen oder nicht. Meine Füße werden weh tun oder überraschend stark sein. Dinge werden anders laufen, als ich es mir vorstelle. Und kein noch so gut gepackter Rucksack wird das verhindern.<br /><br />Ich frage mich, ob ich wirklich all diese Dinge brauche - oder ob ich mir selbst nicht genug zutraue, mit dem umzugehen, was kommt.<br /><br />Vielleicht geht es beim Packen gar nicht nur darum, Gewicht zu reduzieren. Vielleicht geht es darum, ein Stück Vertrauen einzupacken - und dafür ein paar Ängste bewusst wieder auszupacken.<br /><br />Denn am Ende trage ich nicht nur meinen Rucksack. Ich trage auch die Entscheidung, wie viel Kontrolle ich brauche - und wie viel ich loslassen kann.</div>]]></turbo:content>
    </item>
    <item turbo="true">
      <title>27.04.26 Ankunft. Düsseldorf - Irun</title>
      <link>https://heleneknoll.com/nordic-walking/bvu0hv8vf1-270426-ankunft-dsseldorf-irun</link>
      <amplink>https://heleneknoll.com/nordic-walking/bvu0hv8vf1-270426-ankunft-dsseldorf-irun?amp=true</amplink>
      <pubDate>Sun, 03 May 2026 19:07:00 +0300</pubDate>
      <author>Helene Knoll</author>
      <enclosure url="https://static.tildacdn.com/tild3061-6165-4337-a137-666166386130/photo_2026-05-01_18-.jpg" type="image/jpeg"/>
      <description>Der Beginn meines Weges auf dem Jakobsweg: der Flug nach Bilbao und die Reise nach Irun, voller unerwarteter Begegnungen und glücklicher Zufälle.</description>
      <turbo:content><![CDATA[<header><h1>27.04.26 Ankunft. Düsseldorf - Irun</h1></header><figure><img alt="" src="https://static.tildacdn.com/tild3061-6165-4337-a137-666166386130/photo_2026-05-01_18-.jpg"/></figure><div class="t-redactor__text">Ich sitze im ersten Flugzeug des Tages nach Bilbao. Der Abflug verspätet sich um 30 Minuten - nichts, was wir nicht kennen. Der Grund: Eine Handvoll Passagiere ist nicht zum Boarding erschienen, jetzt muss ihr aufgegebenes Gepäck wieder aus dem Flugzeug entladen werden. Das habe ich auch noch nie erlebt!<br /><br />Eigentlich war diese Verspätung wieder mal ein tolles Geschenk des Universums (ja, ich glaube, dass etwas Großes mir Geschenke macht - man muss sie nur erkennen). Ich nutze die Zeit, um meine Notizen zu schreiben.<br /><br />Da das Flugzeug halb leer ist, nutze ich die Gelegenheit und setze mich um. Jetzt sitze ich ganz vorne auf einem Gangsitz mit viel Beinfreiheit. Danke schön!<br /><br />In knapp zwei Stunden erreichen wir Bilbao. Und es scheint, als ob der Camino mich willkommen heißt. Meine Anreise war noch nie so einfach. Der Bus nach San Sebastián fährt direkt vor der Tür des Flughafens ab. Am Ticketautomaten hilft mir eine nette Dame, ein Busticket zu kaufen. Nach knapp einer Stunde, einer sehr komfortablen Fahrt, sind wir in San Sebastián. Jetzt muss ich mit dem Zug nach Irun weiterfahren.<br /><br />Als ich die Tür des Bahnhofs öffne, kommt mir ein Mann entgegen und sagt, dass alle Züge nach Irun ausfallen und man stattdessen eine Straßenbahn nehmen muss. Die Fahrt dauert genauso lange wie mit dem Zug, ist aber viel billiger. Keine Ahnung, woher er wusste, dass ich nach Irun muss. Na ja, auch egal. Ich nehme sein Angebot an, mich zum anderen Bahnhof mitzunehmen (er fuhr übrigens auch nach Irun). Zum Glück! Alleine hätte ich ewig gebraucht, anderen Bahnhof zu finden. Dieser Mann hilft mich auch das Bahnticket zu kaufen.<br /><br />In Irun angekommen, erklärt er mir den Weg zu meiner Pension, wo es einen günstigen Supermarkt gibt, wo die Polizei ist und wo es gute Bars gibt, wünscht mir „Buen Camino“ - und wir verabschieden uns. Unglaublich!<br /><br />Irun ist ein nettes Städtchen. Für die erste Nacht bleibe ich in einer sehr gemütlichen Pension mit einem wunderschönen Blick auf die Berge, die ich von meinem Bett aus bewundern kann. Die Treppe, die zur Pension führt, ist eine kleine Herausforderung - aber eine gute Kostprobe auf die Bergwanderung mit 18 kg auf den Schulter.<br /><br />Meine Credential habe ich im Rathaus samt erstem Stempel bekommen. Morgen geht es los.</div><img src="https://static.tildacdn.com/tild6534-3164-4430-a662-346661623861/Design_ohne_Titel_4.png">]]></turbo:content>
    </item>
    <item turbo="true">
      <title>1. Tag. 28.04.26. Irun - San Sebastian</title>
      <link>https://heleneknoll.com/nordic-walking/2l0ssvap01-1-tag-280426-irun-san-sebastian</link>
      <amplink>https://heleneknoll.com/nordic-walking/2l0ssvap01-1-tag-280426-irun-san-sebastian?amp=true</amplink>
      <pubDate>Mon, 04 May 2026 17:22:00 +0300</pubDate>
      <author>Helene Knoll</author>
      <enclosure url="https://static.tildacdn.com/tild3439-3862-4934-a135-643966336633/IMG_20260428_103104.jpg" type="image/jpeg"/>
      <description>Darüber, wie ich trotz eines Sturzes, kurioser Begegnungen und eines mühsamen Umwegs mit meinem 20 kg schweren Rucksack die Lektion lernte, mich immer nur auf die aktuell anstehende Herausforderung zu konzentrieren</description>
      <turbo:content><![CDATA[<header><h1>1. Tag. 28.04.26. Irun - San Sebastian</h1></header><figure><img alt="" src="https://static.tildacdn.com/tild3439-3862-4934-a135-643966336633/IMG_20260428_103104.jpg"/></figure><div class="t-redactor__text">Mein Marsch begann fröhlich; sogar mein 20 kg schwerer Rucksack hat mir kaum etwas ausgemacht. Die Menschen auf der Straße helfen gerne ungefragt und erklären einem den Weg. Eine seltsame Begegnung hatte ich jedoch im Wald bei einem einsam stehenden Haus. Ein älterer Mann sprach mich an – halt die üblichen Fragen: Man möchte wissen, woher du kommst, dir ein „Buen Camino“ wünschen und so weiter. Dieser Mann verabschiedete sich nach der Fragerei mit einer festen Umarmung und ein paar dicken Schmatzern links und rechts. Ich war völlig perplex. Hoffentlich war es brüderlich gemeint und er wollte nicht bloß kuscheln. Diese Frage wird für mich wohl für immer offen bleiben.<br /><br />Nach zwei Stunden Marsch bot sich eine gute Gelegenheit für ein Frühstückspicknick mit einer tollen Aussicht. Der Rest des Weges verlief in dichtem Nebel, was mich aber nicht im Geringsten störte. Ich liebe Nebel, und in Düsseldorf ist er so selten. An einer Stelle, an der es bergab ging, rutschte ich auf nassem Asphalt aus. Um überhaupt wieder aufstehen zu können, musste ich mich erst aus dem Rucksack befreien. Natürlich ist meine Hose am Knie gerissen und ich habe eine ordentliche Schürfwunde am selben Knie davongetragen. Ich hatte das Jod und Verbandszeug also nicht umsonst eingepackt!<br /><br />Nachdem ich meine Wunde versorgt und die Hose mit zwei Sicherheitsnadeln irgendwie zusammengeflickt hatte, ging ich weiter. Bergauf, bergab – und das so weit bis Pasai, wo ein Boot die Pilger an das andere Ufer bringt, damit sie ihre Wanderung fortsetzen können. Natürlich habe ich diese Stelle verpasst und eine Extrarunde von ca. 7 km gedreht, bis ich endlich da war. Am anderen Ufer erwartete mich dann eine wahnsinnige Treppe mit einer Steigung von 45 Grad und einer Länge von etwa 500 Metern bergauf. Denkt dabei an meinen 20 kg schweren Rucksack!<br /><br />Heute habe ich Folgendes gelernt: Bewältige nur das, was gerade ansteht, und schaue nicht darauf, was dich noch alles erwarten könnte.</div><img src="https://static.tildacdn.com/tild3034-6665-4330-b836-643737623564/Design_ohne_Titel_5.png">]]></turbo:content>
    </item>
    <item turbo="true">
      <title>2. Tag. 29.04.26. San Sebastian - Zarautz</title>
      <link>https://heleneknoll.com/nordic-walking/gccsjft4y1-2-tag-290426-san-sebastian-zarautz</link>
      <amplink>https://heleneknoll.com/nordic-walking/gccsjft4y1-2-tag-290426-san-sebastian-zarautz?amp=true</amplink>
      <pubDate>Tue, 05 May 2026 10:03:00 +0300</pubDate>
      <author>Helene Knoll</author>
      <enclosure url="https://static.tildacdn.com/tild3233-6432-4639-b531-356565356261/photo_2026-05-05_09-.jpg" type="image/jpeg"/>
      <description>Besonders anstrengende Wanderetappe, die von Schmerzen, Zweifeln und kleinen Momenten des Durchhaltens geprägt ist.</description>
      <turbo:content><![CDATA[<header><h1>2. Tag. 29.04.26. San Sebastian - Zarautz</h1></header><figure><img alt="" src="https://static.tildacdn.com/tild3233-6432-4639-b531-356565356261/photo_2026-05-05_09-.jpg"/></figure><div class="t-redactor__text">Man, mir tut einfach alles weh - besonders die Füße! Trotzdem packe ich meinen Rucksack und breche um 8 Uhr auf. Heute fühlt er sich allerdings so schwer an, als wäre er mit Blei gefüllt.<br /><br />Der Weg ist heute besonders hart. Auf 16 Kilometern gibt es keine einzige Möglichkeit, sich mal hinzusetzen oder vernünftig zu frühstücken. Ich muss immer wieder den Rucksack abstellen, um mich kurz auszuruhen und etwas zu trinken. Schließlich entscheide ich mich, einfach mitten auf dem Weg anzuhalten und etwas zu essen, vor allem, um mir nicht komplett die Laune zu verderben.<br /><br />Flachland gibt es heute kaum; es geht fast nur bergauf und bergab - und das bei einer miserablen Wegebeschaffenheit. Man muss höllisch aufpassen, auf den feuchten Steinen nicht auszurutschen und sich nichts zu dehnen oder zu brechen. Die Angst von meinem gestrigen Sturz sitzt mir dabei noch immer im Nacken.<br /><br />Irgendwann spüre ich, wie sich an meiner kleinen Zehe regelrecht eine Blase aufbläht. Ein seltsames Gefühl! Ich entscheide mich, den Schmerz einfach zu ignorieren, was nach einer Weile sogar funktioniert. Dennoch bin ich viel langsamer unterwegs und mache nur kleine Tippelschritte, besonders bergab. Mittlerweile schmerzt jeder Schritt, weil meine Nagelbetten vom ständigen Anstoßen an den Schuhen entzündet sind. Mir ist fast schon nach Weinen zumute, und nur die tolle Landschaft hält mich davon ab.<br /><br />Die meiste Zeit gehe ich allein und unterhalte mich ab und zu laut mit mir selbst. Dabei sage ich mir oft genau das, was ich sonst meinen Schülern beibringe: „Arme strecken, mehr Schwung, schieb dich mit den Stöcken nach vorne!“ Das hilft tatsächlich.<br /><br />In Zarautz angekommen, entscheide ich mich, dort einen Tag zu bleiben, um wieder Kraft zu sammeln.<br /><br />Heute habe ich gelernt: Wir tragen oft viel zu viele unnötige Dinge mit uns herum - sowohl physisch als auch mental. Sich dieser Last zu entledigen, erleichtert das Gewicht des Lebens ungemein.</div><img src="https://static.tildacdn.com/tild3962-3932-4139-a532-633530373736/Design_ohne_Titel_8.png">]]></turbo:content>
    </item>
    <item turbo="true">
      <title>3. Tag. 30.04.26. Zarautz</title>
      <link>https://heleneknoll.com/nordic-walking/4uzk5yeje1-3-tag-300426-zarautz</link>
      <amplink>https://heleneknoll.com/nordic-walking/4uzk5yeje1-3-tag-300426-zarautz?amp=true</amplink>
      <pubDate>Wed, 06 May 2026 13:11:00 +0300</pubDate>
      <author>Helene Knoll</author>
      <enclosure url="https://static.tildacdn.com/tild6366-3833-4531-b163-636362626565/photo_2026-05-05_11-.jpg" type="image/jpeg"/>
      <description>Begleitet mich bei einem sonnigen Strandspaziergang an meinem Pausentag in Zarautz.</description>
      <turbo:content><![CDATA[<header><h1>3. Tag. 30.04.26. Zarautz</h1></header><figure><img alt="" src="https://static.tildacdn.com/tild6366-3833-4531-b163-636362626565/photo_2026-05-05_11-.jpg"/></figure><div class="t-redactor__text">Heute steht fest: Pause machen und sich so wenig wie möglich bewegen! Mein Körper braucht diese Erholung dringend.<br /><br />Generell übernachte ich lieber in etwas teureren Hostels (etwa 24 € pro Nacht). Das lohnt sich, denn sie sind sauber, gut ausgestattet und die Betten wirken wie eigene, abschließbare Kabinen mit frischer Bettwäsche. Bisher habe ich mir Zimmer mit 5 bis 19 Personen geteilt, und erstaunlicherweise hat noch niemand geschnarcht - aber meine Wanderung ist ja noch lang.<br /><br />Heute bin ich bis 8 Uhr im Bett geblieben und habe ganz in Ruhe gefrühstückt. Mein Frühstück ist allerdings eine Geschichte für sich: Es gab ein Reststück Vollkornbaguette von vorgestern, dazu Käsereste und... eine Dose Sardinen in Olivenöl. Am anderen Ende des Tisches frühstückte eine Frau Toastbrot (auf der Packung stand „völlig diätisch“) mit Frischkäse und Marmelade, dazu ein Glas warme Milch. Ich habe sie wohl etwas skeptisch angeschaut, denn ich war mir sicher: Nach zwei Stunden hat sie wieder Hunger! Und tatsächlich - ein kleiner „Spoiler“ - wenige Stunden später sah ich sie wieder in der Küche essen. Wahrscheinlich dachte sie in dem Moment: „Wie kann man bloß Sardinen zum Frühstück essen?!“<br /><br />Da ich mich ohnehin kaum rühren kann, habe ich beschlossen, ein wenig zu arbeiten - tippen geht schließlich noch. Ich konnte mich gut fokussieren und habe eine Präsentation für den nächsten Tag fertiggestellt.<br /><br />Am Nachmittag zog es mich dann doch zu einem Strandspaziergang nach draußen; der Strand liegt nur fünf Gehminuten vom Hostel entfernt. Dort befindet sich ein Restaurant mit Bar und Konditorei des berühmten spanischen Fernsehkochs Karlos Arguiñano. Vor meinem Spaziergang habe ich mich dort mit hervorragenden Pintxos und einem Cortado gestärkt. Das Restaurant hat eine Terrasse direkt zum Meer hin. Falls ihr euch zufällig mal nach Zarautz „verlauft“, solltet ihr dort unbedingt essen – aber bitte nur mit vorheriger Reservierung!<br /><br />Es war ein herrlich sonniger Tag und das Wasser leuchtete tiefblau. Ich habe den Duft des Meeres und das Rauschen der Wellen in vollen Zügen genossen und dabei gemerkt, wie sehr ich diese kilometerlangen Strandspaziergänge vermisst habe.<br /><br />Den Abend habe ich in einer Bar direkt über dem Hostel verbracht, wo ebenfalls fantastische Pintxos angeboten werden. Da ich hier mitten in der Anbauregion des Txakoli, eines einheimischen Weißweins, bin, wäre es eine Sünde gewesen, ihn nicht zu kosten – zumal er kaum exportiert wird. Er schmeckt hervorragend, übrigens viel besser als der aus Bilbao.<br /><br />Heute habe ich gelernt: Die Arbeit macht deutlich mehr Spaß, wenn man sie entspannt angeht.</div><img src="https://static.tildacdn.com/tild6236-6165-4964-b632-393036333561/Kopie_von_Design_ohn.png">]]></turbo:content>
    </item>
    <item turbo="true">
      <title>4. Tag. 01.05.26 Zarautz - Itziar</title>
      <link>https://heleneknoll.com/nordic-walking/dymzhdyri1-4-tag-010526-zarautz-itziar</link>
      <amplink>https://heleneknoll.com/nordic-walking/dymzhdyri1-4-tag-010526-zarautz-itziar?amp=true</amplink>
      <pubDate>Thu, 07 May 2026 10:26:00 +0300</pubDate>
      <author>Helene Knoll</author>
      <enclosure url="https://static.tildacdn.com/tild6437-3936-4538-b063-366262633663/photo_2026-05-06_09-.jpg" type="image/jpeg"/>
      <description>Von einem Frühstück am Surferstrand bis hin zu schmerzhaften „Verhandlungen“ mit meinen Zehen - mein vierter Tag auf dem Jakobsweg war eine Achterbahnfahrt zwischen brennender Sonne und unerwartetem Luxus.</description>
      <turbo:content><![CDATA[<header><h1>4. Tag. 01.05.26 Zarautz - Itziar</h1></header><figure><img alt="" src="https://static.tildacdn.com/tild6437-3936-4538-b063-366262633663/photo_2026-05-06_09-.jpg"/></figure><div class="t-redactor__text">Nach dem Pausentag in Zarautz läuft es sich direkt viel fröhlicher, und auch mein Rucksack fühlt sich ein wenig leichter an - vor allem, weil ich keine zwei Liter Wasser mehr als Reserve mitschleppe. Unterwegs gibt es zum Glück genug Trinkstellen, an denen man nachfüllen kann.<br /><br />Meinen Marsch beginne ich am Strand von Zarautz und entscheide mich, direkt am Meer zu frühstücken. Es ist toll zuzusehen, wie viele Surfer schon im Wasser sind und versuchen, die perfekte Welle zu erwischen.<br /><br />Was meine „Baustellen“ angeht: Der Schorf am Knie scheint endlich Ruhe zu geben. Dafür versuche ich gerade, intensiv mit meinen Zehen zu verhandeln. Durch die steilen und unebenen Abstiege sind mittlerweile mehrere Nagelbetten in Mitleidenschaft gezogen. Außerdem habe ich gleich mehrere Blasen an beiden kleinen Zehen - wie ist das überhaupt möglich?!<br /><br />Der Weg heute ist hart. Irgendwann fange ich an, auch den Schmerz in meinen Hüften zu spüren. Zudem brennt die Sonne ordentlich, was die Wanderung nicht gerade leichter macht. Ich trage wohl den hässlichsten Hut aller Zeiten, aber Hauptsache, er erfüllt seinen Zweck und schützt Gesicht und Nacken. So habe ich zumindest eine Sorge weniger.<br /><br />Wegen eines Feiertags sind heute auch viele Einheimische unterwegs. Da alle Hotels und Herbergen ausgebucht sind, bleibe ich in einem Hotel-Restaurant kurz vor Deba. Ein Zimmer ganz für mich allein! Und das sogar mit Außenrollos und eigener Terrasse - was für ein Luxus!<br /><br />Die Küche des Restaurants ist großartig, also gönne ich mir zur Feier des Tages ein einheimisches Dessert, was mir sonst nur selten passiert. Während ich zu Abend esse, mache ich mir allerdings Gedanken über morgen. Ich konnte heute keine Unterkunft für den nächsten Tag reservieren, also muss ich versuchen, einen Platz in der öffentlichen Pilgerherberge zu ergattern. Das heißt, ich sollte bis 14 Uhr in Markina-Xemein sein. Bis dahin liegen etwa sieben Stunden Fußmarsch auf einem abartig komplizierten Weg vor mir; mit Pausen werden es sicher acht Stunden. Ich mache mir wirklich Sorgen, ob ich es mit meinen lädierten Zehen überhaupt bis zum Ziel schaffe.<br /><br />Heute habe ich gelernt, dass Spontanität nicht immer gut ist. Man sollte ab und zu planen, da auch andere Menschen ihre Pläne haben.</div><img src="https://static.tildacdn.com/tild3537-3433-4661-b362-393832643731/Kopie_von_Kopie_von_.png">]]></turbo:content>
    </item>
    <item turbo="true">
      <title>5 Tag. 02.05.26 Itziar - Markina-Xemein</title>
      <link>https://heleneknoll.com/nordic-walking/boajpgil11-5-tag-020526-itziar-markina-xemein</link>
      <amplink>https://heleneknoll.com/nordic-walking/boajpgil11-5-tag-020526-itziar-markina-xemein?amp=true</amplink>
      <pubDate>Fri, 08 May 2026 12:37:00 +0300</pubDate>
      <author>Helene Knoll</author>
      <enclosure url="https://static.tildacdn.com/tild6237-3434-4364-b730-663836666165/IMG_20260502_070349.jpg" type="image/jpeg"/>
      <description>Meine bisher härteste Etappe auf der ich wunderbare Gemeinschaft internationaler Pilger erlebe.</description>
      <turbo:content><![CDATA[<header><h1>5 Tag. 02.05.26 Itziar - Markina-Xemein</h1></header><figure><img alt="" src="https://static.tildacdn.com/tild6237-3434-4364-b730-663836666165/IMG_20260502_070349.jpg"/></figure><div class="t-redactor__text">Eigentlich wollte ich heute schon um 6 Uhr loslegen, aber draußen war es noch viel zu dunkel. Also saß ich erst einmal fest in meine Decke eingewickelt auf dem Bett und habe gewartet, bis es hell wurde. Erst gegen sieben Uhr bin ich dann aufgebrochen. Draußen tobt schon seit der Nacht ein stürmischer Wind, und ich habe nur eine Hoffnung, dass das Wetter heute nicht allzu ungemütlich wird.<br /><br />Mittlerweile scheint mein Körper das Gewicht des Rucksacks zu akzeptieren, aber meine Füße und Zehen protestieren lautstark. Ich werde wohl ein ernstes Wörtchen mit ihnen reden und sie davon überzeugen müssen, dass sie da jetzt einfach durchmüssen.<br /><br />Den Großteil des Weges bin ich allein gelaufen, nur hin und wieder habe ich zwei junge Männer getroffen, die Spanisch untereinander und Englisch mit mir sprachen. Zwei andere Männer begrüßten mich in akzentfreiem Englisch. Wir haben uns ständig gegenseitig überholt und uns schließlich in der öffentlichen Herberge wiedergetroffen, wo wir fast zeitgleich ankamen. Da wegen der Feiertage alles ausgebucht ist, hofften wir alle inständig, dort noch einen Schlafplatz zu ergattern. Wenn man eine Stunde lang in der Schlange auf ein Bett wartet, kommt man zwangsläufig ins Plaudern.<br /><br />Es stellte sich heraus, dass Travis aus Hawaii kommt und sein Kumpel aus Washington - was für ein weiter Flug bis hierher! Die Matratze direkt neben mir gehört einer Frau aus Australien.<br /><br />Mein Abendessen besteht heute aus einer Empanada und Mandelkeksen aus dem Supermarkt, die ich im Gemeinschaftssaal esse. Ich bin wahnsinnig dankbar, dass es dort einen Wasserkocher und Tee gab. Mein Essen habe ich mit zwei mir unbekannten Personen geteilt. Ein älterer Mann hatte noch nie eine Empanada probiert und hat sich riesig über die Kekse gefreut - ich teile gerne.<br /><br />Das Streckenprofil heute war das bisher härteste - besonders zum Schluss vor Markina-Xemein, meinem heutigen Ziel. Warum kommt das Schlimmste eigentlich immer erst am Ende?!<br /><br />Jetzt bin ich völlig fix und alle. Es ist kurz vor 21 Uhr, und von der Decke strahlt ein grelles, kaltes Licht, aber ich verkrieche mich einfach mit dem Kopf tief in meinen weichen, kuscheligen Schlafsack. Ich schlafe fast sofort ein. Ein ganzer Schnarcher-Chor stimmt seine Kunststücke in den verschiedensten Tönen an, aber das stört mich heute nicht im Geringsten. Irgendwann geht das Licht aus, und auch die Schnarcher verstummen, während sie in einen tiefen Schlaf fallen.<br /><br />Heute habe ich gelernt, dass ein extrem steiler Aufstieg kann manchmal einfacher sein als ein weniger steiler Abstieg.</div><img src="https://static.tildacdn.com/tild6166-6330-4737-b534-336565643530/Kopie_von_Kopie_von_.png">]]></turbo:content>
    </item>
    <item turbo="true">
      <title>6. Tag. 03.05.26. Markina-Xemein - Gernika</title>
      <link>https://heleneknoll.com/nordic-walking/06m62uu4p1-6-tag-030526-markina-xemein-gernika</link>
      <amplink>https://heleneknoll.com/nordic-walking/06m62uu4p1-6-tag-030526-markina-xemein-gernika?amp=true</amplink>
      <pubDate>Sat, 09 May 2026 18:16:00 +0300</pubDate>
      <author>Helene Knoll</author>
      <enclosure url="https://static.tildacdn.com/tild3966-3331-4334-b833-343136366363/IMG_20260503_073015.jpg" type="image/jpeg"/>
      <description>Vom ohrenbetäubenden „Ave Maria“ am Morgen bis zum nervenaufreibenden Wäsche-Drama in Gernika erlebe ich eine Etappe voller kleiner Pannen und die wichtige Einsicht, auf meinen Körper zu hören.</description>
      <turbo:content><![CDATA[<header><h1>6. Tag. 03.05.26. Markina-Xemein - Gernika</h1></header><figure><img alt="" src="https://static.tildacdn.com/tild3966-3331-4334-b833-343136366363/IMG_20260503_073015.jpg"/></figure><div class="t-redactor__text">Wir wurden heute Morgen mit dem „Ave Maria“ von Gounod geweckt. Im Gemeinschaftssaal war ein Lautsprecher aufgestellt, aus dem ohrenbetäubend laut Pilgerlieder dröhnten. Manche Pilger sangen sogar mit, was die Sache für mich allerdings nicht unbedingt besser machte.<br /><br />Ich konnte kaum auf meine Füße treten, hatte aber keine andere Wahl, als loszugehen. Heute trage ich zwei Paar Socken übereinander, um meine demolierten Füße besser zu polstern. Warum zum Teufel habe ich das eigentlich nicht vom ersten Tag an gemacht?! Ich bin stolz auf jeden einzelnen Schritt, den ich heute schaffe. Da ich im Voraus ein Hotel in Gernika gebucht habe, muss ich mich zumindest nicht beeilen.<br /><br />Nach vier Stunden erreiche ich Munitibar, die Hälfte der Strecke nach Gernika. Vor mir liegen noch 16 Kilometer, und ich habe keine Ahnung, wann ich bei meinem Tempo und mit diesen Schmerzen jemals dort ankommen soll. Während ich auf einer Bank sitze und an meinem Sandwich kaue, spiele ich ernsthaft mit dem Gedanken, den Bus nach Gernika zu nehmen. Ich habe echte Zweifel, ob ich es heute aus eigener Kraft bis zum Ziel schaffe. Meine Recherche ergibt, dass tatsächlich eine Verbindung besteht. Der Bus hält genau gegenüber, kommt in einer Stunde und kostet nur 2,20 €. Die Entscheidung steht fest - ich fahre die zweite Hälfte des Weges.<br /><br />In Gernika angekommen, stellt sich im Hotel jedoch heraus, dass keine Reservierung auf meinen Namen vorliegt. Nach einer kurzen Diskussion bekomme ich schließlich doch noch ein Zimmer mit drei Betten zur Alleinnutzung für 70 €. Das ist mir in diesem Moment völlig egal. Später begreife ich, was für ein Glück es war, jemanden persönlich an der Rezeption erwischt zu haben. Normalerweise läuft hier alles über automatischen Check-in, und wäre ich erst abends zu Fuß angekommen, hätte ich ohne die „fehlende“ Reservierung vermutlich keine Bleibe für die Nacht gehabt.<br /><br />Kaum bin ich auf dem Zimmer, bricht draußen ein Gewitter los - was für ein Timing! Ein weiteres Stück Glück für heute. Gegenüber vom Hotel gibt es einen Waschsalon, also nutze ich die Zeit für meine Wäsche. Nachdem ich die Maschine beladen und die Tür geschlossen habe, bemerke ich jedoch, dass ich aus Versehen die Maschine für Großmengen für 12 € statt der kleineren für 7 € gewählt habe. Ich versuche, die Wäsche noch einmal umzulegen, aber die Tür lässt sich nicht mehr öffnen, egal wie oft ich auf „Stop“ drücke. Panik steigt in mir auf, dass ich jetzt ohne meine Kleidung dastehe. Ich wähle die einzige Telefonnummer auf einem Aufkleber, aber niemand hebt ab - klar, es ist Sonntag!<br /><br />Nach kurzem Durchatmen beschließe ich, einfach die Münzen einzuwerfen, und siehe da, die Maschine fängt an zu waschen. Die Aussicht, meine Sachen in 30 Minuten sauber zurückzuhaben, lindert den Stress über das zu teure Waschen und die 90 Cent, die die Maschine zusätzlich geschluckt hat. In der Zwischenzeit versuche ich, im Tourismusbüro einen Pilgerstempel zu bekommen - es ist geschlossen. „Nicht schlimm“, denke ich mir und will stattdessen die wunderschöne Kirche Santa Maria direkt daneben besichtigen - sie ist ebenfalls zu. Klar, es ist ja Sonntag!<br /><br />Immerhin habe ich nach 40 Minuten meine saubere und trockene Wäsche zurück. Ich versorge meine Füße mit Salbe und mache es mir im Bett gemütlich. Morgen werde ich den Bus bis nach Bilbao nehmen und dort drei Nächte bleiben. Ich muss meine Füße einfach wieder in Ordnung bringen.<br /><br />Heute habe ich einmal mehr etwas über mich selbst bestätigt: Ich weiß, wann es Zeit ist, aufzuhören.</div><img src="https://static.tildacdn.com/tild3935-3939-4861-b731-636438373636/Kopie_von_Kopie_von_.png">]]></turbo:content>
    </item>
    <item turbo="true">
      <title>7. Tag. 04.05.26. Gernika - Bilbao</title>
      <link>https://heleneknoll.com/nordic-walking/ljn0feyre1-7-tag-040526-gernika-bilbao</link>
      <amplink>https://heleneknoll.com/nordic-walking/ljn0feyre1-7-tag-040526-gernika-bilbao?amp=true</amplink>
      <pubDate>Sun, 10 May 2026 19:11:00 +0300</pubDate>
      <author>Helene Knoll</author>
      <enclosure url="https://static.tildacdn.com/tild3931-3636-4231-b738-653939326532/IMG_20260506_204728.jpg" type="image/jpeg"/>
      <description>In Bilbao finde ich durch neue Schuhe und vier Kilo weniger Gepäck endlich körperliche Erleichterung und genieße eine unerwartet tiefgründige Begegnung mit einer inspirierenden Mitpilgerin.</description>
      <turbo:content><![CDATA[<header><h1>7. Tag. 04.05.26. Gernika - Bilbao</h1></header><figure><img alt="" src="https://static.tildacdn.com/tild3931-3636-4231-b738-653939326532/IMG_20260506_204728.jpg"/></figure><div class="t-redactor__text">Die Salbe hat über Nacht die Entzündungen ein wenig beruhigt, sodass ich heute mehr oder weniger wieder gehen kann.<br /><br />In Gernika regnet es heute in Strömen. Im Hotel treffe ich Mandy wieder, meine australische Bettnachbarin von Markina-Xemein. Wie der Zufall es will, fährt auch sie heute mit dem Zug nach Bilbao und wird dort drei Tage bleiben. Ich frage mich, ob wir uns dort wohl noch einmal über den Weg laufen werden? Bevor ich die Stadt verlasse, statte ich der Touristeninformation einen Besuch ab. Sie hat heute glücklicherweise offen, und so bekomme ich einen besonders schönen Pilgerstempel.<br /><br />Nach einer einstündigen Busfahrt erreiche ich Bilbao. Hier werde ich für zwei Nächte bleiben. Ich habe einen Freund und Kollegen meines Mannes getroffen und konnte ihm stolze vier Kilo Gepäck mitgeben, die ich auf meinem weiteren Weg nicht unbedingt brauche. Was für eine Erleichterung! Zudem habe ich mich mit neuen Trekkingschuhen und Pflastern eingedeckt. Ich hoffe sehr, dass meine Füße sich in den neuen Schuhen wohlfühlen werden.<br /><br />Am Nachmittag lerne ich meine Zimmernachbarin Angelika kennen. Sie ist 70 Jahre alt, sieht aber mindestens zehn Jahre jünger aus. Angelika hat ihren Camino gerade beendet und fliegt morgen zurück nach Deutschland. Wir verplaudern den ganzen Abend und merken gar nicht, wie die Zeit vergeht - so tiefgründig und interessant ist unsere Unterhaltung. Angelika ist so herzlich und offen, dass es sich anfühlt, als würde ich mich mit einer langjährigen Freundin unterhalten.<br /><br />Heute hat sich wieder einmal etwas über mich bestätigt. Der Camino passt perfekt zu meinem inneren Ambivert. Ich bin oft und gerne für mich allein, aber ab und zu werden mir genau die richtigen, tiefgründigen Menschen „geschickt“.<br /><br />Heute habe ich gelernt, dass wahre Stärke auch bedeutet, Ballast abzuwerfen - egal ob im Rucksack oder im Kopf.</div><img src="https://static.tildacdn.com/tild6466-6233-4265-b539-613836613331/Bilbao_1.png">]]></turbo:content>
    </item>
    <item turbo="true">
      <title>8. Tag. 05.05.26. Bilbao</title>
      <link>https://heleneknoll.com/nordic-walking/lu01s86rv1-8-tag-050526-bilbao</link>
      <amplink>https://heleneknoll.com/nordic-walking/lu01s86rv1-8-tag-050526-bilbao?amp=true</amplink>
      <pubDate>Mon, 11 May 2026 19:03:00 +0300</pubDate>
      <author>Helene Knoll</author>
      <enclosure url="https://static.tildacdn.com/tild6162-3137-4038-b337-386632356237/IMG_20260507_072207.jpg" type="image/jpeg"/>
      <description>In Bilbao, zwischen moderner Kunst im Guggenheim-Museum und dem Geschmack köstlicher Pintxos, gönne ich meinen Füßen eine wohlverdiente Auszeit und genieße eine letzte, herzliche Begegnung mit einer inspirierenden Pilgerfreundin.</description>
      <turbo:content><![CDATA[<header><h1>8. Tag. 05.05.26. Bilbao</h1></header><figure><img alt="" src="https://static.tildacdn.com/tild6162-3137-4038-b337-386632356237/IMG_20260507_072207.jpg"/></figure><div class="t-redactor__text">Ich habe mich entschieden, noch eine zusätzliche Nacht in Bilbao zu bleiben. Also insgesamt werde ich hier die nächsten drei Nächte bleiben, um meinen Zehen die nötige Zeit zum Heilen zu geben.<br /><br />Heute Morgen hieß es Abschied nehmen von Angelika. Ihr Flug geht erst gegen 17 Uhr, und bis dahin wollte sie noch ein wenig durch die Stadt bummeln. Draußen regnet es hin und wieder, also verbringe ich den gesamten Vormittag mit Schreiben. Gerade als ich den Punkt hinter den letzten Satz setze und denke, dass es nun Zeit für einen Kaffee wäre, ploppt eine Nachricht von Angelika auf: Sie steht unten an der Rezeption und fragt, ob wir noch etwas Zeit zusammen verbringen wollen. Was für ein perfektes Timing!<br /><br />Sie lädt mich auf einen Kaffee ein, und wir plaudern, bis es für sie Zeit ist, zum Flughafen aufzubrechen. Wir verabschieden uns - diesmal endgültig - mit dem Versprechen, hin und wieder voneinander hören zu lassen. Ich mag Angelika wirklich sehr; sie ist eine tolle Begegnung auf diesem Weg.<br /><br />Kurz darauf mache ich mich auf den Weg zum Guggenheim-Museum, da mir ein Freund freundlicherweise den Eintritt geschenkt hat. Unterwegs kehre ich in einer Bar für ein kleines Mittagessen ein und verschlinge drei verschiedene Pintxos. Ich versuche, so viele Varianten wie möglich zu probieren, und bisher hat sich noch keine wiederholt. Es ist wahnsinnig gemütlich hier, und die leise Musik von den Beatles und Elvis trägt ihren Teil zur entspannten Stimmung bei.<br /><br />Ich merke immer wieder, dass meine Verschnaufpausen definitiv untrennbar mit gutem Essen und Genießen verbunden sind.<br /><br />Heute habe ich gelernt, dass Genuss die beste Medizin für müde Pilgerfüße ist.</div><img src="https://static.tildacdn.com/tild3064-3931-4366-b231-323463356231/Bilbao_2_2.png">]]></turbo:content>
    </item>
    <item turbo="true">
      <title>9. Tag. 06.05.26. Bilbao</title>
      <link>https://heleneknoll.com/nordic-walking/uoc706t411-9-tag-060526-bilbao</link>
      <amplink>https://heleneknoll.com/nordic-walking/uoc706t411-9-tag-060526-bilbao?amp=true</amplink>
      <pubDate>Tue, 12 May 2026 21:02:00 +0300</pubDate>
      <author>Helene Knoll</author>
      <enclosure url="https://static.tildacdn.com/tild3535-6637-4864-b139-323630666232/IMG_20260505_163453.jpg" type="image/jpeg"/>
      <description>An meinem letzten Tag in Bilbao gönne ich meinen heilenden Füßen eine Verschnaufpause zwischen lebhaften Bars und lasse mich überraschend von der modernen Kunst im Guggenheim-Museum verzaubern.</description>
      <turbo:content><![CDATA[<header><h1>9. Tag. 06.05.26. Bilbao</h1></header><figure><img alt="" src="https://static.tildacdn.com/tild3535-6637-4864-b139-323630666232/IMG_20260505_163453.jpg"/></figure><div class="t-redactor__text">Heute ist mein letzter Tag in Bilbao, und ich versuche, so wenig wie möglich Schuhe zu tragen, um meinen Füßen die maximale Zeit zum Heilen zu geben. Es geht ihnen zum Glück schon viel besser, und ich bin zuversichtlich, dass ich meinen Weg in diesem Zustand fortsetzen kann.<br /><br />Zum Mittagessen zieht es mich heute nur in eine Bar direkt gegenüber. Die Dichte an Bars in einer einzigen Straße ist hier einfach unglaublich! Jede einzelne ist zur Mittagszeit gut gefüllt mit Menschen, die auf den Terrassen bei einem Glas Bier oder Wein ihr <em>Menú del Día</em> genießen.<br /><br />Die gestrige Ausstellung von Ruth Asawa im Guggenheim geht mir immer noch nicht aus dem Kopf. Ich bin von ihren geflochtenen, abstrakten Figuren und den Gravuren mit Pflanzenmotiven völlig fasziniert. Eigentlich bin ich kein Fan von moderner Kunst; bisher konnte mich nur Tony Gragg wirklich begeistern - doch jetzt hat auch Ruth mein Herz gewonnen.<br /><br />Ehrlich gesagt, als Pilger kommt man zwar an vielen interessanten Orten vorbei, aber am Ende des Tages fehlt oft schlicht die Kraft für klassisches Sightseeing. Man ist damit beschäftigt, sich selbst und seine Sachen wieder in Ordnung zu bringen, und hat danach kaum noch Lust und Kraft, sich groß zu bewegen. Zumindest geht es mir so. Trotz der schmerzenden Füße habe ich die Ausstellung gestern jedoch sehr genossen.<br /><br />Eine wichtige Lektion für heute ist, dass man sich nicht vor Dingen verschließen sollte, nur weil man sie vielleicht nicht sofort versteht. Hin und wieder findet man zwischen all dem Unverständlichen etwas ganz Besonderes, das das Herz erwärmt.</div><img src="https://static.tildacdn.com/tild3539-6435-4432-b835-373961633632/Bilbao_3.png">]]></turbo:content>
    </item>
    <item turbo="true">
      <title>10. Tag. 07.05.26 Bilbao - Pobeña</title>
      <link>https://heleneknoll.com/nordic-walking/r8rk6zfvg1-10-tag-070526-bilbao-pobea</link>
      <amplink>https://heleneknoll.com/nordic-walking/r8rk6zfvg1-10-tag-070526-bilbao-pobea?amp=true</amplink>
      <pubDate>Wed, 13 May 2026 22:04:00 +0300</pubDate>
      <author>Helene Knoll</author>
      <enclosure url="https://static.tildacdn.com/tild6566-6565-4665-a638-353466313461/IMG_20260507_130454.jpg" type="image/jpeg"/>
      <description>Auf dem flachen Weg nach Pobeña genieße ich die wohltuende Entlastung für meine Füße und finde bei täglicher Handwäsche eine nostalgische Verbindung zu meiner Mutter.</description>
      <turbo:content><![CDATA[<header><h1>10. Tag. 07.05.26 Bilbao - Pobeña</h1></header><figure><img alt="" src="https://static.tildacdn.com/tild6566-6565-4665-a638-353466313461/IMG_20260507_130454.jpg"/></figure><div class="t-redactor__text">Heute stand eine flache Etappe an, was eine wahre Wohltat für meine Füße war. Da die Strecke fast komplett asphaltiert ist, kamen heute durchgehend die Gummikappen für meine Stöcke zum Einsatz. Ich habe mich für eine Abzweigung entschieden, die direkt am Fluss entlangführt. Auch wenn der Abschnitt zwischen Bilbao und Getxo durch ein eher eintöniges Industriegebiet verläuft, war der ebene Boden genau das, was meine Füße jetzt gebraucht haben.<br /><br />Nach zweieinhalb Stunden erreichte ich Getxo und setzte mit der historischen Schwebefähre ans andere Ufer nach Portugalete über. Nach einem gemütlichen Frühstück am Flussufer ging es weiter. In Portugalete habe ich mich prompt eine Stunde lang verlaufen - aber einmal am Tag die Orientierung zu verlieren, gehört mittlerweile fast schon zum festen Programm!<br /><br />Das Wetter war herrlich: Die Sonne im Rücken, aber nicht zu warm. Mein hässlicher Hut hat mir wieder treue Dienste als Schattenspender erwiesen. Heute hatte ich ein tolles Tempo und richtig gute Laune; es scheint, als würden meine Schmerzrezeptoren langsam ermüden und ich komme sehr gut vorwärts. Da es zwischen Portugalete und Pobeña keine einzige Trinkstelle gab, musste ich mit meinem Wasservorrat haushalten - gut, dass ich noch eine Reserve von 300 ml dabei hatte.<br /><br />Kurz nach 13 Uhr erreichte ich Pobeña und bezog mein Quartier in der öffentlichen Herberge. Der Ort ist winzig. Es gibt weder einen Supermarkt noch einen Bäcker, dafür reihen sich aber gleich vier Bars auf einem Fleck aneinander. Mein Alltag hat sich mittlerweile eingespielt: sieben bis acht Stunden gehen, in der Herberge einchecken, den Schlafplatz organisieren, duschen, Wäsche waschen und schauen, wo man Proviant für den nächsten Tag herbekommt.<br /><br />Immer, wenn ich meine Sachen per Hand wasche, muss ich an meine Mutter denken. Sie hat meiner Schwester und mir die richtige Technik beigebracht und streng darauf geachtet, dass wir die Wäsche auf richtige Weise auswringen. Das ist wie Fahrradfahren - man verlernt es nie. Ich bin meiner Mutter sehr dankbar, dass sie uns solche praktischen und wichtigen Dinge für das Leben mitgegeben hat.<br /><br />Heute habe ich gelernt, dass der Weg nicht immer spektakulär sein muss, um sich gut anzufühlen - manchmal ist ein flacher Pfad und ein eingespielter Rhythmus genau das Richtige.</div><img src="https://static.tildacdn.com/tild3962-3632-4233-b432-303737663637/Bilbao_-_Pobena.png">]]></turbo:content>
    </item>
    <item turbo="true">
      <title>11. Tag. 08.05.26. Pobeña - Islares</title>
      <link>https://heleneknoll.com/nordic-walking/90b8blsc91-11-tag-080526-pobea-islares</link>
      <amplink>https://heleneknoll.com/nordic-walking/90b8blsc91-11-tag-080526-pobea-islares?amp=true</amplink>
      <pubDate>Thu, 14 May 2026 22:48:00 +0300</pubDate>
      <author>Helene Knoll</author>
      <enclosure url="https://static.tildacdn.com/tild6330-6233-4338-a634-356535346137/IMG_20260508_134705.jpg" type="image/jpeg"/>
      <description>Auf meinem malerischen Weg entlang der kantabrischen Küste begegne ich dem beeindruckenden Camino-Profi Valentin und flüchte später vor dem „Franglish“ eines redseligen Autors zu einer unvergleichlichen Tortilla.</description>
      <turbo:content><![CDATA[<header><h1>11. Tag. 08.05.26. Pobeña - Islares</h1></header><figure><img alt="" src="https://static.tildacdn.com/tild6330-6233-4338-a634-356535346137/IMG_20260508_134705.jpg"/></figure><div class="t-redactor__text">Erstaunlicherweise bin ich nach einer schlaflosen Nacht hellwach. Da der heutige Weg einfach und eben ist und ich meine Unterkunft bereits reserviert habe, muss ich mich nicht beeilen und humple in meinem ganz eigenen Tempo gemütlich vor mich hin.<br /><br />Ich entscheide mich für den Küstenweg Richtung Castro Urdiales und betrete damit Kantabrien. Kurz darauf treffe ich auf Valentin, einen 69-jährigen Spanier, für den ich ein Foto mache. Ab diesem Moment gehen wir gemeinsam weiter. Valentin ist ein echter Camino-Profi: Es ist sein 15. Jakobsweg und das zweite Mal, dass er den <em>Norte</em> läuft - ich bin mehr als beeindruckt! Er erzählt mir stolz von seinen drei Kindern, wir plauder auf Spanisch. Wobei man ehrlich sagen muss, er plaudert, und ich höre meistens zu.<br /><br />Von ihm lerne ich viel über den Weg, bekomme Herbergstipps und erfahre sogar, warum man als Fußgänger auf der Bundesstraße immer auf der linken Seite gehen sollte. Nur so sieht man die Autos auf sich zukommen und kann reagieren. Er versucht auch, mir die Namen der Vögel beizubringen, die unseren Weg kreuzen, aber mein Kopf speichert das als „unwichtig“ ab. Dank Valentin verlaufe ich mich heute kein einziges Mal, denn er quatscht einfach jeden an, den wir treffen, tauscht ein paar Nettigkeiten aus und fragt nach dem Weg - typisch Spanier eben!<br /><br />In Castro<strong> </strong>Urdiales, einem wirklich wunderschönen Städtchen, trennen sich unsere Wege. Während er sich auf ein „königliches Fisch-Essen“ freut, liegen vor mir noch 10 Kilometer Marsch bis Islares. Die Landschaft ist traumhaft, der Horizont verschmilzt förmlich mit dem Meer.<br /><br />Mein Hostel in Islares ist ein echter Glücksgriff: klein, gemütlich und mit einer fast schon luxuriösen Damendusche inklusive Föhn ausgestattet! Nur das mit der Wäsche bleibt ein Running-Gag: Kaum hänge ich meine Sachen zum Trocknen auf, fängt es prompt an zu regnen.<br /><br />In der Herberge werde ich von Philippe abgefangen, einem älteren Franzosen, der während seines Camino ein Buch schreibt. Er redet 30 Minuten lang ununterbrochen auf mich ein, noch bevor ich überhaupt duschen konnte. Sein französischer Akzent ist so stark und er mischt so viele französische Wörter unter sein Englisch, dass ich kaum ein Wort dieses „Franglish“ verstehe. Um seiner Buchvorstellung zu entkommen, flüchte ich mich in eine kleine Dorfbar. Dort erlebe ich ein kulinarisches Highlight: die leckerste Tortilla meines Lebens, gefüllt mit roter und grüner Paprika.<br /><br />Ich hoffe inständig, dass Philippe schon tief und fest schläft, wenn ich zurückkomme. Ich bin müde und meine Kapazität für „Franglish“ ist für heute definitiv erschöpft.<br /><br />Heute habe ich wieder einmal gemerkt, dass viele Allein-Pilger haben ein enormes Mitteilungsbedürfnis - egal, ob das Gegenüber gerade zuhören will oder nicht. Ich für meinen Teil genieße es nach wie vor sehr, einfach mal nur für mich zu sein.<br /><br />Heute habe ich gelernt, dass ein guter Begleiter dir den Weg zeigt, aber die schönste Stille findest du erst, wenn du wieder allein gehst.</div><img src="https://static.tildacdn.com/tild3732-6164-4839-b135-323565613632/Pobenia-Islares2.jpg">]]></turbo:content>
    </item>
    <item turbo="true">
      <title>12. Tag. 09.05.26. Islares - Laredo</title>
      <link>https://heleneknoll.com/nordic-walking/s76l8a8901-12-tag-090526-islares-laredo</link>
      <amplink>https://heleneknoll.com/nordic-walking/s76l8a8901-12-tag-090526-islares-laredo?amp=true</amplink>
      <pubDate>Fri, 15 May 2026 20:03:00 +0300</pubDate>
      <author>Helene Knoll</author>
      <enclosure url="https://static.tildacdn.com/tild3066-3839-4561-b533-336334323437/IMG_20260509_123421.jpg" type="image/jpeg"/>
      <description>Auf meinem Weg nach Laredo genieße ich den betörenden Duft frischer Eukalyptussamen, während ich gleichzeitig versuche, mich charmant aus den „Franglish“-Fängen meines redseligen Begleiters Philippe zu befreien.</description>
      <turbo:content><![CDATA[<header><h1>12. Tag. 09.05.26. Islares - Laredo</h1></header><figure><img alt="" src="https://static.tildacdn.com/tild3066-3839-4561-b533-336334323437/IMG_20260509_123421.jpg"/></figure><div class="t-redactor__text">Gestern Abend hatte ich Glück. Als ich in der Herberge ankam, lagen die meisten schon in den Betten, auch Philippe. Doch heute Morgen beim Frühstück in der Küche trafen wir uns wieder. Da er heute ebenfalls nach Laredo wollte, haben wir Handynummern ausgetauscht. Ich bin mir zwar immer noch nicht ganz sicher, ob das eine gute Idee war, aber ich wollte in dem Moment einfach nicht unhöflich sein. Er brennt immer noch darauf, mir sein Buchkonzept vorzustellen, und schlug vor, dass wir uns in Laredo auf einen Kaffee treffen könnten.<br /><br />Die erste Hälfte des Weges verlief eher unspektakulär entlang einer Bundesstraße. Danach führte die Route jedoch durch wunderschöne Eukalyptuswälder. Dabei musste ich an Valentin denken, der mir gestern gezeigt hatte, welche Eukalyptussamen man sammeln sollte. Die grünen Samen von diesem Jahr verströmen ein tolles Aroma, besonders wenn man sie in der Hand anwärmt. Ich habe mir einige davon in den Rucksack gelegt, in der Hoffnung, dass meine Sachen dadurch besser riechen. Das ist auch dringend nötig, denn nach der Handwäsche trocknet die Kleidung über Nacht oft nicht richtig. Wenn sie dann sieben bis acht Stunden im warmen Rucksack verstaut ist, fängt sie unweigerlich an zu muffeln.<br /><br />Um nach Laredo zu kommen, musste ich zwei Berge erklimmen. Ich habe heute auf eine richtige Mittagspause verzichtet und nur kurze Trinkstopps eingelegt. In Laredo angekommen, habe ich im wunderschönen Hostel <em>Bajamar</em> direkt in der Altstadt eingecheckt. Dass es direkt am Camino liegt, schien mir erst ideal, doch die enorme Lautstärke von der Straße habe ich später fast ein wenig bereut. Ein echtes Highlight war jedoch die automatische Wäscherei: Sie war deutlich günstiger als in Gernika, und für mich steht fest, dass ich in größeren Städten jetzt immer diesen Service nutzen werde.<br /><br />Als ich später für ein schnelles Mittagessen in einer Bar war, traf ich prompt wieder auf Philippe. Er bestellte das gleiche wie ich, war aber sichtlich unzufrieden mit dem Essen. Mir ging es ähnlich, aber da ich nur 30 Minuten Zeit hatte und die Auswahl sehr begrenzt war, war mir das egal - Hauptsache, der Hunger war erst einmal gestillt. Ich kündigte Philippe direkt an, dass ich in einer halben Stunde wieder verschwinden müsse, und entschuldigte mich im Voraus dafür, ihn mit dem schlechten Essen allein zu lassen.<br /><br />Die ganze Zeit redete er wieder auf „Franglish“ auf mich ein, und ich verstand ehrlich gesagt kein Wort. Als es Zeit zum Aufbruch war, bezahlte ich als kleine Entschädigung sein Essen mit und ließ ihn allein zurück. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir uns morgen in der Herberge in Güemes wiedersehen werden.<br /><br />Dieser Tag hat mich wieder zum Nachdenken gebracht. Ich versuche zwar, meine eigenen Vorhaben in den Vordergrund zu stellen, aber es fällt mir unglaublich schwer, jemanden vor den Kopf zu stoßen. Obwohl ich versuche, solche Situationen höflich zu lösen, fühle ich mich danach oft nicht gut. Ich muss offensichtlich noch lernen, klarere Grenzen zu setzen und auch mal die „kalte Schulter“ zu zeigen. Ich mag es einfach nicht, wenn Menschen meine Zeit beanspruchen, die ich eigentlich gerade für mich selbst brauche.<br /><br />Heute habe ich gelernt, dass ein freundliches „Nein“ kein Zeichen von Unhöflichkeit ist, sondern ein wichtiger Schutz für die eigene Energie.</div><img src="https://static.tildacdn.com/tild3330-6530-4530-b839-353365666333/Islares_-_Laredo_1.jpg">]]></turbo:content>
    </item>
    <item turbo="true">
      <title>13. Tag. 10.05.26. Laredo - Güemes</title>
      <link>https://heleneknoll.com/nordic-walking/8kp1uvx8b1-13-tag-100526-laredo-gemes</link>
      <amplink>https://heleneknoll.com/nordic-walking/8kp1uvx8b1-13-tag-100526-laredo-gemes?amp=true</amplink>
      <pubDate>Sat, 16 May 2026 17:10:00 +0300</pubDate>
      <author>Helene Knoll</author>
      <enclosure url="https://static.tildacdn.com/tild6435-6133-4261-b935-613165656566/IMG_20260510_072234.jpg" type="image/jpeg"/>
      <description>Von abenteuerlichen Ziegenpfaden bis zur herzlichen Gemeinschaft bei Padre Ernesto in Güemes - einen Tag, der alte Kindheitsträume in der Stille der Berge endlich wahr werden lässt.</description>
      <turbo:content><![CDATA[<header><h1>13. Tag. 10.05.26. Laredo - Güemes</h1></header><figure><img alt="" src="https://static.tildacdn.com/tild6435-6133-4261-b935-613165656566/IMG_20260510_072234.jpg"/></figure><div class="t-redactor__text">Es wird gerade erst hell, als ich mich gegen 7 Uhr auf den Weg mache. Mein Pfad beginnt an einem endlos langen Strand, den ich mir um diese frühe Stunde nur mit ein paar Joggern und Spaziergängern teile. Der Sonnenaufgang ist so atemberaubend schön, dass ich immer wieder stehen bleiben muss, um diesen Moment mit meiner Kamera festzuhalten.<br /><br />Die Anlegestelle für das Boot nach Santoña ist leider überhaupt nicht gekennzeichnet. Ein freundlicher Fischer erklärt mir schließlich wo das Boot andockt, verrät mir aber auch, dass das Boot erst um 9 Uhr kommt - ich muss also noch über anderthalb Stunden warten. In diesem Moment lerne ich eine wichtige Lektion: Alles kommt zu seiner Zeit, und man kann es nicht erzwingen. Also entspannen und abwarten - mehr bleibt einem ohnehin nicht übrig.<br /><br />Ich nutze die Zeit für ein gemütliches Frühstück am Strand, telefoniere mit meinem Mann und genieße die wärmende Sonne. Von Santoña aus wähle ich eine Route direkt an der Küste entlang. Ich passiere die Playa de Berria - das Wasser ist dort so kristallblau und klar, dass man am liebsten sofort hineinspringen würde. Am Ende des Strandes wartet ein kleiner Berg auf mich. Der Aufstieg entpuppt sich als echter Ziegenpfad: schmal, steinig und von beiden Seiten mit piksigen Pflanzen übersät.<br /><br />Doch die Mühe lohnt sich - sowohl der Aufstieg als auch der Abstieg bieten einen einmaligen Ausblick! Auf der anderen Seite des Berges erstreckt sich die Playa de Helgueras, ein atemberaubend schöner, langer Sandstrand. Es tut so unglaublich gut, im weichen Sand direkt am Wasser entlangzulaufen. Vor ein paar Tagen hatte ich noch erwähnt, wie sehr ich lange Strandspaziergänge vermisse, und heute macht mir das Universum gleich drei wunderschöne Strände zum Geschenk. Danke!<br /><br />Unterwegs kreuzt ein Franzose meinen Weg. „Camino?“, fragt er mit hochgezogenen Schultern. Da er weder Englisch noch Spanisch spricht - und ich mich nicht traue, nach Deutsch oder Russisch zu fragen - verständigen wir uns mit Händen und Füßen über die richtige Richtung. „Buen Camino!“ - und ich nehme eine andere Route.<br /><br />Die zweite Hälfte des Weges nach Güemes führt mich durch kleine Dörfer und an unzähligen Farmen vorbei. Der Geruch von Kuhmist ist stellenweise so bestialisch, dass mir der Atem stockt - an diesen Stellen gebe ich automatisch ordentlich Gas.<br /><br />In Güemes übernachte ich in einer ganz besonderen Herberge, dem ausgebauten Familienhaus von Padre Ernesto. Der 82-jährige Pfarrer ist immer noch im Dienst und leitet diese Unterkunft mit viel Hingabe. Vor dem Abendessen versammelt er uns alle in einem iglu-ähnlichen Bau und erzählt die faszinierende Geschichte dieses Ortes, der eigentlich ein halbes Museum ist. Danach gibt es ein königliches Abendessen für alle. Die heiße Kürbissuppe und der Gemüsereis sind nach dem langen Marsch eine wahre Wohltat.<br /><br />Die Herberge liegt einsam auf einem Berg, und die Stille hier ist im Vergleich zum Stadtlärm herrlich. Ich kuschele mich in meinen Schlafsack und freue mich auf eine ruhige Nacht. Die Atmosphäre erinnert mich an die Sommercamps meiner Kindheit. Ich weiß noch, wie ich als kleines Mädchen meine Freundinnen immer überreden wollte, in einer Scheune oder im Zelt zu übernachten. Tagsüber waren alle begeistert, aber abends scheiterte das Vorhaben meistens, weil alle Schiss vor den Geräuschen oder Mäusen hatten. Jetzt, hier auf dem Camino, geht dieser Kindheitstraum endlich in Erfüllung. Mit diesem Gedanken und einem Lächeln im Gesicht schlafe ich tief und fest ein.<br /><br />Heute habe ich gelernt, dass manchmal man einfach geduldig warten muss, bis das Boot kommt - denn am Ende schenkt einem das Universum genau das, was man sich am meisten gewünscht hat.</div><img src="https://static.tildacdn.com/tild3163-6261-4362-b265-316463616432/Laredo_-_Guenes.jpg">]]></turbo:content>
    </item>
    <item turbo="true">
      <title>14.Tag. 11.05.26. Güemes - Santander</title>
      <link>https://heleneknoll.com/nordic-walking/8h206tzgo1-14tag-110526-gemes-santander</link>
      <amplink>https://heleneknoll.com/nordic-walking/8h206tzgo1-14tag-110526-gemes-santander?amp=true</amplink>
      <pubDate>Sun, 17 May 2026 10:35:00 +0300</pubDate>
      <author>Helene Knoll</author>
      <enclosure url="https://static.tildacdn.com/tild3263-6630-4330-b430-613232313933/IMG_20260511_070303.jpg" type="image/jpeg"/>
      <description>Nach einer tief bewegenden Begegnung mit dem inspirierenden Padre Ernesto führt mir der Weg nach Santander vor Augen, wie sehr mein eigenes Herz für meine tägliche Vision brennt.</description>
      <turbo:content><![CDATA[<header><h1>14.Tag. 11.05.26. Güemes - Santander</h1></header><figure><img alt="" src="https://static.tildacdn.com/tild3263-6630-4330-b430-613232313933/IMG_20260511_070303.jpg"/></figure><div class="t-redactor__text">So gut wie in dieser Nacht habe ich seit fast vier Wochen nicht mehr geschlafen. Es war so wunderbar still und gemütlich in meinem Schlafsack unter der zusätzlichen Decke. Als ich kurz nach sieben Uhr nach draußen trete, steigt die Sonne gerade hinter den Bergen auf und das Tal liegt noch unter einer dichten Nebeldecke. Ich beobachte Padre Ernesto, wie er diesen Sonnenaufgang mit seiner Kamera festhält, als wäre es der erste, den er je gesehen hat. Dieser Mann ist einfach inspirierend. Mit einer Träne im Auge verabschiede ich mich von ihm und ziehe weiter, erfüllt von tiefer Dankbarkeit für seine Gastfreundschaft und das Lebenswerk, das er hier geschaffen hat.<br /><br />Kaum bin ich wieder allein auf dem Camino, brechen plötzlich die Tränen aus mir heraus. Es ist kein Schmerz, keine Erschöpfung und auch keine Traurigkeit - dieser Ort und dieser besondere Mann haben einfach eine tiefe Saite in meiner Seele berührt. Gestern habe ich beobachtet, wie wenige Pilger sich wirklich für seine Geschichte und Philosophie interessierten. Doch Ernesto macht weiter, selbst wenn nur 5 von 35 Menschen ihm wirklich zuhören, weil er gar nicht anders kann.<br /><br />In diesem Moment wurde mir klar, dass er mir einen Spiegel vorgehalten hat. Ich kenne dieses Gefühl aus meiner eigenen Arbeit: Wenn ich versuche, Menschen zu zeigen, wie sie Krankheiten vorbeugen oder heilen können, hören oft nur wenige wirklich zu - und noch weniger setzen es um. Umso stolzer bin ich auf meine Klienten, die den Mut haben, etwas in ihrem Leben zu ändern. Eine Entscheidung zu treffen, ist bereits 90 % des Erfolgs. Genau wie Ernesto mache auch ich weiter, weil ich für meine Vision brenne.<br /><br />Mein Weg führt mich heute an einer spektakulären Küstenlandschaft vorbei: schroffe Klippen, wilde Wellen und Surfer, so weit das Auge reicht. Nach einer Fahrt mit der Fähre erreiche ich schließlich Santander, die Hauptstadt Kantabriens. Im Hostel treffe ich alte Bekannte wieder: Tower aus Kanada und Kiti aus Budapest, die ebenfalls bei Padre Ernesto übernachtet haben. Die herzliche Marta an der Rezeption gibt uns tolle Tipps, wie wir die Zeit bis zum Check-in überbrücken können.<br /><br />Später vertiefe ich mich in ein langes Gespräch mit Kiti. Sie erzählt mir sehr offen, dass sie zu Hause in Budapest Entscheidungen oft aus Bequemlichkeit ihrem Freund überlässt. Hier auf dem Camino ist sie jedoch gezwungen, ihren eigenen Weg zu wählen. Auf meine Frage, ob sie nach ihrer Rückkehr wieder in alte Muster verfallen wird, hat sie noch keine Antwort: „Man macht es sich eben gerne bequem“.<br /><br />Den Abend lasse ich ruhig ausklingen, plane die nächste Etappe und genieße es, noch bis spät in die Nacht konzentriert zu arbeiten. Heute gibt es einen ganz besonderen Luxus: echte Bettwäsche statt der üblichen Einwegbezüge. Ich merke, wie ich anfange, mich über die kleinsten, simpelsten Dinge des Lebens aufrichtig zu freuen.<br /><br />Heute habe ich gelernt, das ein wahrer Mentor dir nicht nur den Weg zeigt, er spiegelt dir dein eigenes Inneres wider und erinnert dich daran, warum du deinen Weg überhaupt gehst.</div><img src="https://static.tildacdn.com/tild3933-3032-4831-a661-313362333432/Guemes_-_Santander.jpg">]]></turbo:content>
    </item>
    <item turbo="true">
      <title>15. Tag. 12.05.26. Santander - Santillana del Mar</title>
      <link>https://heleneknoll.com/nordic-walking/6xk0437101-15-tag-120526-santander-santillana-del-m</link>
      <amplink>https://heleneknoll.com/nordic-walking/6xk0437101-15-tag-120526-santander-santillana-del-m?amp=true</amplink>
      <pubDate>Mon, 18 May 2026 12:10:00 +0300</pubDate>
      <author>Helene Knoll</author>
      <enclosure url="https://static.tildacdn.com/tild3864-6436-4436-b361-303263656533/IMG_20260512_171918.jpg" type="image/jpeg"/>
      <description>Auf meinem Weg von Santander in das malerische Santillana del Mar lerne ich, kluge Entscheidungen zu treffen, und finde inmitten mittelalterlicher Gassen und historischer Klostermauern zu einer wertvollen inneren Ruhe.</description>
      <turbo:content><![CDATA[<header><h1>15. Tag. 12.05.26. Santander - Santillana del Mar</h1></header><figure><img alt="" src="https://static.tildacdn.com/tild3864-6436-4436-b361-303263656533/IMG_20260512_171918.jpg"/></figure><div class="t-redactor__text">Heute steht eine Mammut-Etappe von 37,5 Kilometern auf dem Programm - eine Strecke, bei der ich mir absolut nicht sicher bin, ob meine Füße das schon mitmachen. Deshalb entscheide ich mich für die pragmatische Lösung und folge Martas Rat vom Vorabend. Ich nehme den Zug von Santander nach Boo. Nach einer entspannten, zwanzigminütigen Fahrt liegen „nur“ noch etwa 25 Kilometer Fußweg vor mir. In Boo angekommen, erwartet mich direkt die erste Herausforderung. Wegen einer Baustelle ist der Camino umgeleitet. Ich folge den Schildern und Zeichnungen - ein Spiel, das ich aus Deutschland nur zu gut kenne.<br /><br />Doch irgendwann beschleichen mich Zweifel, ob ich noch auf dem richtigen Weg bin. Mitten in diesem Moment der Orientierungslosigkeit taucht ein Mann auf, der die Umleitung perfekt in seiner App markiert hat. Es ist Miguel, ein Rentner aus Alicante, der bereits seinen fünften Camino läuft. Er ist in einem beachtlichen Tempo unterwegs, und ich gebe alles, um ihn nicht aus den Augen zu verlieren. Kurz darauf wendet sich das Blatt: Miguel übersieht eine Markierung, und nun bin ich es, die ihm den Weg zeigt. Ab diesem Moment gehen wir gemeinsam weiter. Wir plaudern ein wenig auf Spanisch, genießen es aber auch, einfach schweigend nebeneinander herzulaufen. In einem kleinen Ort trennen sich unsere Wege schließlich, als Miguel für einen Kaffee einkehrt und ich allein weiterziehe.<br /><br />Der restliche Weg ist heute leider ziemlich eintönig. Meistens führt er direkt am Seitenstreifen einer Bundesstraße entlang, mal durch Industriegebiete, mal durch kleine Dörfer. Es ist streckenweise wirklich frustrierend, wenn ein Abschnitt landschaftlich so wenig bietet. Umso schöner ist die Ankunft in Santillana del Mar. Mein Quartier ist ein ehemaliges Kloster aus dem 18. Jahrhundert, und das Dorf selbst ist mit seinen gut erhaltenen mittelalterlichen Gassen einfach traumhaft schön. Obwohl ich sonst nach der Ankunft eher auf Sightseeing verzichte, reibe ich meine Füße heute dick mit Voltaren ein und mache mich doch noch einmal auf den Weg ins Zentrum.<br /><br />Santillana scheint bei Einheimischen und geführten Rentnergruppen extrem beliebt zu sein, entsprechend touristisch geht es zu. An jeder Ecke finden sich Souvenirläden mit regionalen Produkten, Schmuck und „handgemachter“ Kunst - oft überall das Gleiche und zu stolzen Preisen. <br /><br />Da ich auf dem Camino definitiv einen Proteinmangel spüre, sorge ich heute für mein eigenes Abendessen. Eine Dose Kichererbsen und zwei Dosen Sardinen für insgesamt 3,80 € werden in der Herberge zu einem nahrhaften Salat vermischt. Ich bin mehr als zufrieden mit dieser Extraportion Ballaststoffe und Protein.<br /><br />Die lauten Gemeinschaftsräume mit ihren oft oberflächlichen Gesprächen meide ich, so gut es geht; sie langweilen mich eher, als dass sie mich bereichern. Stattdessen ziehe ich mich früh in mein Bett zurück, um den Tag in Ruhe zu reflektieren und meine Notizen zu machen.<br /><br />Heute habe ich gelernt, dass man sich das Leben nicht künstlich erschweren sollte - es ist heutzutage ohnehin schon herausfordernd genug.</div><img src="https://static.tildacdn.com/tild3431-3362-4661-a562-656165626234/15_Tag_120526_Santan.jpg">]]></turbo:content>
    </item>
    <item turbo="true">
      <title>16. Tag. 13.05.26. Santillana del Mar - Comillas</title>
      <link>https://heleneknoll.com/nordic-walking/j53s6ex541-16-tag-130526-santillana-del-mar-comilla</link>
      <amplink>https://heleneknoll.com/nordic-walking/j53s6ex541-16-tag-130526-santillana-del-mar-comilla?amp=true</amplink>
      <pubDate>Tue, 19 May 2026 13:10:00 +0300</pubDate>
      <author>Helene Knoll</author>
      <enclosure url="https://static.tildacdn.com/tild3633-3562-4235-b937-633035646263/IMG_20260513_173315.jpg" type="image/jpeg"/>
      <description>Ein Tag voller ehrlicher Einblicke, der zeigt, dass wahres Glück oft in der Hingabe an die kleinen Dinge und einem seltenen Moment puren Komforts zu finden ist.</description>
      <turbo:content><![CDATA[<header><h1>16. Tag. 13.05.26. Santillana del Mar - Comillas</h1></header><figure><img alt="" src="https://static.tildacdn.com/tild3633-3562-4235-b937-633035646263/IMG_20260513_173315.jpg"/></figure><div class="t-redactor__text">Mein Tag auf dem Camino begann heute, wie so oft, um 7 Uhr morgens. Da Miguel zur gleichen Zeit aufbrach, liefen wir die gesamte Strecke bis nach Comillas gemeinsam. Unterwegs plauderten wir über dies und jenes, und er erzählte mir von seinem Leben in einem kleinen Dorf in Alicante. Es scheint, als hätte er in seinem Ruhestand sein wahres Glück gefunden. Er wandert dreimal pro Woche mit Freunden und widmet den Rest der Zeit seinem Garten. Er strahlte regelrecht, als er von seinen Granatapfel-, Zitronen- und Mandarinenbäumen erzählte und wie er aus seinen eigenen Oliven etwa 60 bis 70 Liter Öl für den Eigenbedarf pressen lässt. Es war schön zu sehen, mit welcher Hingabe er von dieser Arbeit sprach.<br /><br />Trotz der guten Unterhaltung gab es lange Phasen, in denen wir einfach schwiegen und jeder seinen eigenen Gedanken nachhing. Ich empfand das als sehr angenehm, denn echtes, vertrauensvolles Schweigen ist nur mit jemandem möglich, bei dem man sich wirklich wohlfühlt.<br /><br />Der Weg war heute abwechslungsreich und deutlich schöner als gestern. In der ersten Hälfte regnete es mal mehr, mal weniger stark, aber das konnte meine gute Laune nicht trüben. Erstaunlicherweise spielten meine Füße heute gut mit, was ich wohl vor allem dem Voltaren zu verdanken habe. Eigentlich bin ich eine Verfechterin davon, immer die Ursachen eines Problems anzugehen, statt nur die Symptome zu lindern. Doch heute musste ich mir eingestehen, dass es manchmal nicht anders geht: Entweder ich packe das Problem an der Wurzel und beende meinen Camino, oder ich „vertusche“ die Symptome, um weitergehen zu können. Für den Moment ist dieser pragmatische Kompromiss genau richtig.<br /><br />In Comillas kamen wir viel zu früh an. Da wir noch nicht in die Herberge einchecken konnten, stellten wir nur unsere Rucksäcke ab und machten uns auf den Weg in die Altstadt. Auch im Restaurant waren wir der Zeit voraus. Die Küche öffnete erst um 13 Uhr. Wir nutzten die zwanzig Minuten Wartezeit für ein Getränk und genossen den Moment des Ankommens. Das anschließende Essen war hervorragend, und die Zeit verging bei angeregten Gesprächen wie im Flug.<br /><br />Mein Bett im Hostel ist heute ausnahmsweise mal so richtig bequem und kuschelig, was auf dem Camino ein seltener Luxus ist. Ich merke, wie die Müdigkeit kommt, und werde heute sehr früh einschlafen.<br /><br />Heute habe ich gelernt, dass manchmal man die eigenen Prinzipien beiseitestellen muss und Symptome lindern, um das große Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.</div><img src="https://static.tildacdn.com/tild3761-6664-4637-b534-323333306338/Santillana_del_Mar_-.jpg">]]></turbo:content>
    </item>
    <item turbo="true">
      <title>17. Tag. 14.05.26. Comillas - Unquera</title>
      <link>https://heleneknoll.com/nordic-walking/ydt0x56u01-17-tag-140526-comillas-unquera</link>
      <amplink>https://heleneknoll.com/nordic-walking/ydt0x56u01-17-tag-140526-comillas-unquera?amp=true</amplink>
      <pubDate>Wed, 20 May 2026 14:34:00 +0300</pubDate>
      <author>Helene Knoll</author>
      <enclosure url="https://static.tildacdn.com/tild6433-6232-4165-b234-623739393161/IMG_20260514_080505.jpg" type="image/jpeg"/>
      <description>Eine wettergewaltige Etappe nach Unquera, die mich lehrt, unnötigen Ballast abzuwerfen und den Komfort einfacher Entscheidungen zu schätzen.</description>
      <turbo:content><![CDATA[<header><h1>17. Tag. 14.05.26. Comillas - Unquera</h1></header><figure><img alt="" src="https://static.tildacdn.com/tild6433-6232-4165-b234-623739393161/IMG_20260514_080505.jpg"/></figure><div class="t-redactor__text">Das Bett im Hostel in Comillas war das bisher bequemste und gemütlichste auf meiner gesamten Reise. Entsprechend gut erholt mache ich mich gegen 7 Uhr morgens wieder auf den Weg. Miguel und ich laufen auch diese Etappe gemeinsam; wir sind mittlerweile ein richtig eingespieltes Team. Besonders schätze ich an ihm, dass er nicht zu viel redet - unser gemeinsames Gehen verläuft in einem guten Tempo, ohne viele Worte zu verlieren. Nach etwa vier Stunden legen wir an einer Taverne eine erste Pause zur Stärkung ein.<br /><br />Das Wetter zieht heute wirklich alle Register. Von strahlendem Sonnenschein und Regenbögen bis hin zu peitschendem Regen ist alles dabei. Es ist zudem so stürmisch, dass ich fast froh über meinen schweren Rucksack bin - ohne ihn wäre ich von Winde verweht. In solchen Momenten sind ein heißer Kaffee und eine kurze Verschnaufpause im Trockenen wahre Wohltaten.<br /><br />Unterwegs habe ich heute eine wichtige Erkenntnis in Sachen Verpflegung gewonnen. Bisher habe ich mir abends im Supermarkt immer Zutaten für Sandwiches gekauft, die ich dann als Ballast mit mir herumgeschleppt habe. Wegen des Regens hatte ich heute jedoch gar keine Lust, irgendwo im Freien eine Pause einzulegen, um mein Sandwich zu essen. Dabei wurde mir klar: Ich schaffe problemlos vier Stunden ohne Hunger, und wenn er sich doch meldet, ist eine Bar oder ein Café nie weit. Preislich macht es kaum einen Unterschied, aber ich spare mir das zusätzliche Gewicht im Rucksack und vor allem die wertvolle Zeit am Abend, die ich sonst für den Einkauf und die Vorbereitung geopfert hätte.<br /><br />Mir wird immer bewusster, warum Miguel mir auf meinem Camino begegnet ist. Er bereitet mich auf die zweite Hälfte des Weges vor, vor allem was das richtige Tempo und eine unkomplizierte Selbstversorgung angeht.<br /><br />Da die Herbergen in Colombres bereits ausgebucht waren, übernachte ich heute zwei Kilometer davor in Unquera. Mein Hotel liegt zwar direkt am Weg, aber die letzten 600 Meter dorthin hatten es in sich. Es fing so heftig an zu schütten, dass Miguel und ich innerhalb kürzester Zeit bis auf die Knochen nass werden. Vor dem Hotel verabschiede ich mich von Miguel, der heute in Colombres übernachtet. Wir haben uns aber fest vorgenommen, ab Llanes wieder ein Stück gemeinsam zu gehen.<br /><br />Für morgen ist eine schwere Sturmwarnung mit Gewittern vorhergesagt. So leid es mir um den eigentlich wunderschönen Küstenweg tut, habe ich mich entschieden, bis 15 Uhr im Hotel zu bleiben und dann den Bus nach Llanes zu nehmen.<br /><br />Heute habe ich gelernt, dass auf diesem Weg müssen viele Entscheidungen getroffen werden - und ich vertraue fest darauf, dass jede einzelne davon genau die richtige ist.</div><img src="https://static.tildacdn.com/tild3663-3066-4962-a361-653663313662/Comillas_-_Unquera.jpg">]]></turbo:content>
    </item>
    <item turbo="true">
      <title>18. Tag. 15.05.26. Unquera - Llanes</title>
      <link>https://heleneknoll.com/nordic-walking/u84kjvotn1-18-tag-150526-unquera-llanes</link>
      <amplink>https://heleneknoll.com/nordic-walking/u84kjvotn1-18-tag-150526-unquera-llanes?amp=true</amplink>
      <pubDate>Thu, 21 May 2026 20:23:00 +0300</pubDate>
      <author>Helene Knoll</author>
      <enclosure url="https://static.tildacdn.com/tild3735-3432-4730-b531-616636326264/IMG_20260515_172426.jpg" type="image/jpeg"/>
      <description>Eine Etappe zwischen stürmischen Zweifeln und einem magischen Barfuß-Moment an der Küste von Llanes, die mich lehrt, dass man den Regen manchmal einfach aussitzen muss, um die innere Batterie wieder aufzuladen.</description>
      <turbo:content><![CDATA[<header><h1>18. Tag. 15.05.26. Unquera - Llanes</h1></header><figure><img alt="" src="https://static.tildacdn.com/tild3735-3432-4730-b531-616636326264/IMG_20260515_172426.jpg"/></figure><div class="t-redactor__text">Gestern hatte es die ganze Nacht geregnet. Als ich um 8 Uhr aus dem Fenster blickte, schien meine Entscheidung, den Bus nach Llanes zu nehmen, absolut richtig zu sein. Doch nach dem Frühstück war das Wetter plötzlich passabel zum Wandern, und ich entschied mich spontan, doch zu Fuß zu gehen. Kaum hatte ich meinen Rucksack fertig gepackt, fing es jedoch wieder an zu regnen. Dieses Hin und Her setzte sich den ganzen Vormittag fort, und die Zweifel zerrissen mich regelrecht: Hatte ich die richtige Wahl getroffen?. Einerseits verpasste ich eine schöne Strecke, andererseits blieb ich trocken und konnte eine Menge Arbeit nachholen.<br /><br />Ich blieb bis kurz vor 15 Uhr im Restaurant des Hotels und arbeitete dort hochkonzentriert und vertieft, während draußen immer wieder heftige Schauer niedergingen. Am Ende festigte sich meine Meinung: Die Entscheidung war richtig. Man muss immer auf seine innere Stimme hören, auch wenn es unglaublich schwer ist, die begleitenden Zweifel einfach abzustreifen.<br /><br />Mit dem Bus war ich in nur 20 Minuten in Llanes. Nachdem ich in die Herberge eingecheckt und mein Bett hergerichtet hatte, machte ich mich auf den Weg in die Stadt. Dabei merkte ich, wie leicht sich selbst das Treppensteigen anfühlt, wenn man keine schwere Last auf dem Rücken trägt und die „innere Batterie“ wieder aufgeladen ist.<br /><br />Llanes ist unglaublich schön, besonders die Seite direkt an der Küste. Während meines Spaziergangs am hohen Ufer verspürte ich plötzlich das dringende Bedürfnis, meine Schuhe auszuziehen und barfuß im kühlen Gras zu stehen. Ich gab diesem Wunsch nach und weiß gar nicht, wie lange ich so dort stand und einfach nur die Wellen beobachtete, bevor ich weiterging.<br /><br />Am Ufer traf ich Denny und Travis wieder. Travis hat es leider erwischt; er ist erkältet und es scheint ihm überhaupt nicht gut zu gehen. Wir tauschten uns über unsere heutigen Unterkünfte aus, und dabei wurde mir klar: Ich habe heute definitiv die falsche Herberge gewählt. Sie ist furchtbar und die bisher am schlechtesten ausgestattete auf meinem Weg. Ich habe mich schlichtweg vom Äußeren täuschen lassen. Wieder nur Einwegbettwäsche, schlechte Betten, Unisextoiletten und -duschen - und in der Küche gibt es nicht einmal Besteck. Es ist schrecklich!.<br /><br />Ich habe keine Ahnung, welcher Teufel mich geritten hat, ausgerechnet diese Herberge zu reservieren und nicht die andere, die saubere Bettwäsche und eine gute Küche bot. Meine Entscheidung für morgen steht fest: Ich werde höchstens Zähne putzen, schnell meinen Rucksack packen und sofort verschwinden. Heute habe ich wieder einmal verinnerlicht, dass man aus zwei schlechten Varianten immer versuchen sollte, die zumindest etwas bessere für sich herauszufiltern.<br /><br />Heute habe ich gelernt, dass man zwar der äußeren Witterung entkommen kann, aber die wichtigste Lektion ist, auf das eigene Wohlbefinden zu hören - und selbst aus Fehlgriffen wie einer schlechten Herberge die nötige Konsequenz für den nächsten Schritt zu ziehen.</div><img src="https://static.tildacdn.com/tild3566-6634-4238-b635-356463353263/Unquera_-_Llanes.jpg">]]></turbo:content>
    </item>
    <item turbo="true">
      <title>19. Tag. 16.05.26. Llanes - Ribadesella</title>
      <link>https://heleneknoll.com/nordic-walking/k83ymoi0b1-19-tag-160526-llanes-ribadesella</link>
      <amplink>https://heleneknoll.com/nordic-walking/k83ymoi0b1-19-tag-160526-llanes-ribadesella?amp=true</amplink>
      <pubDate>Fri, 22 May 2026 20:31:00 +0300</pubDate>
      <author>Helene Knoll</author>
      <enclosure url="https://static.tildacdn.com/tild6536-6563-4232-b832-343363613361/IMG_20260516_082121.jpg" type="image/jpeg"/>
      <description>Eine Etappe voller Asturischer Genüsse und tiefer Verbundenheit, die mich lehrt, dass das Leben uns genau die Menschen schickt, die wir im richtigen Moment brauchen.</description>
      <turbo:content><![CDATA[<header><h1>19. Tag. 16.05.26. Llanes - Ribadesella</h1></header><figure><img alt="" src="https://static.tildacdn.com/tild6536-6563-4232-b832-343363613361/IMG_20260516_082121.jpg"/></figure><div class="t-redactor__text">Heute Nacht habe ich mein Zimmer mit einem Kanadier und einer Französin geteilt, beide schätzungsweise über 60. Das war leider die schlimmste Nacht überhaupt: Die beiden haben sich die ganze Nacht beim Schnarchen abgewechselt. Die Französin hat wirklich alles gegeben und meiner Meinung nach diesen Wettbewerb haushoch gewonnen - Vive la France! <br /><br />Nach knapp drei Stunden Schlaf hatte ich um 5:30 Uhr genug, packte meine Sachen, erledigte eine schnelle Katzenwäsche und war bereits um 6:30 Uhr unterwegs.<br /><br />Obwohl Miguel und ich eigentlich verabredet waren, ab Llanes wieder gemeinsam zu laufen, startete ich erst einmal allein. Da wir keine Telefonnummern ausgetauscht hatten und in verschiedenen Herbergen untergebracht waren, ließ ich es auf den Zufall ankommen. Bis Nueva - der halben Strecke nach Ribadesella - hielt ich ein ordentliches Tempo und kam in knapp vier Stunden dort an. Miguels Lektionen in Sachen Schnelligkeit haben offensichtlich Früchte getragen.<br /><br />In Nueva wurde gerade der Wochenmarkt auf der Hauptstraße aufgebaut. Ich suchte mir eine Taverne direkt am Weg, die bereits voller Einheimischer war, bestellte mir eine Tortilla sowie einen <em>café con leche</em> und setzte mich an einen Tisch direkt an der Tür. Kaum hatte ich mit meinem späten Frühstück begonnen, spazierte Miguel herein. Wir waren beide völlig verblüfft und freuten uns riesig über dieses unverhoffte Wiedersehen - dass er sich ausgerechnet dieselbe Taverne für seine Pause ausgesucht hatte, konnten wir beide kaum fassen!<br /><br />Wir tauschten uns über unsere Herbergs-Erfahrungen und die Pläne für die nächsten Tage aus, beendeten unser Frühstück und zogen gemeinsam weiter. Ich habe das Gefühl, dass Miguel mich aus einem bestimmten Grund auf diesem Camino begleitet, auch wenn ich noch nicht ganz verstehe, warum. Wir harmonieren einfach: Wir gehen im gleichen Tempo, mal redend, mal schweigend, und fühlen uns dabei sehr wohl.<br /><br />In Ribadesella gönnten wir uns ein hervorragendes <em>Menú del día</em>. Mein Mann, der mich jeden Tag motiviert und mir immer die besten kulinarischen Tipps für die jeweiligen Regionen gibt, hatte mir eingeschärft, in Asturien unbedingt Fabada zu probieren. Dieser typische Bohneneintopf aus großen weißen Bohnen ist ein Muss. Ich bestellte die Variante auf Fleischbrühe mit Chorizo und Morcilla, während Miguel sich für die Fabada mit Muscheln entschied. Beide Varianten waren unglaublich lecker! <br /><br />Während ich heute in einer gemütlichen Pension in Ribadesella bleibe, warten auf Miguel noch weitere fünf Kilometer bis zum nächsten Dorf. Nach den 34 Kilometern, die wir heute bereits in den Knochen hatten, entschied er sich nach dem Essen vernünftigerweise für ein Taxi für das letzte Stück.<br /><br />Morgen liegen 36 Kilometer vor mir nach Villaviciosa, die ich allein gehen werde. Da Miguel ein beachtliches Tempo vorlegt, werde ich ihn unterwegs wohl nicht einholen, aber wir haben uns fest für die gleiche Herberge am Zielort verabredet. Wir nutzen immer noch keine Handys für unsere Absprachen - ganz traditionell wie in den Zeiten, als es noch keine Mobiltelefone gab: Back to the roots. <br /><br />Ich bin fest davon überzeugt, dass Menschen uns auf dem Camino nicht ohne Grund geschickt werden. Ob Miguel einfach eine angenehme Begleitung ist oder noch eine andere Bedeutung für mich hat, wird sich auf den zwei Etappen bis Gijón zeigen.<br /><br />Heute habe ich gelernt, dass der Camino Menschen genau dann wieder zusammen führt, wenn es sein soll. Und ein guter Rat von zu Hause schmeckt in Form einer Fabada gleich doppelt so gut.</div><img src="https://static.tildacdn.com/tild3632-3933-4165-b638-353562623266/Llanes_-_Ribadesella.jpg">]]></turbo:content>
    </item>
    <item turbo="true">
      <title>20. Tag. 17.05.26. Ribadesella - Villaviciosa</title>
      <link>https://heleneknoll.com/nordic-walking/t9nn0xuek1-20-tag-170526-ribadesella-villaviciosa</link>
      <amplink>https://heleneknoll.com/nordic-walking/t9nn0xuek1-20-tag-170526-ribadesella-villaviciosa?amp=true</amplink>
      <pubDate>Sat, 23 May 2026 19:14:00 +0300</pubDate>
      <author>Helene Knoll</author>
      <enclosure url="https://static.tildacdn.com/tild3466-3633-4333-b161-633837343738/IMG_20260517_124551.jpg" type="image/jpeg"/>
      <description>Ein Tag voller Grenzerfahrungen und unkonventioneller Prioritäten, der zeigt, dass ein fantastisches Essen und ein guter Rat manchmal die beste Medizin für müde Beine sind.</description>
      <turbo:content><![CDATA[<header><h1>20. Tag. 17.05.26. Ribadesella - Villaviciosa</h1></header><figure><img alt="" src="https://static.tildacdn.com/tild3466-3633-4333-b161-633837343738/IMG_20260517_124551.jpg"/></figure><div class="t-redactor__text">Heute Morgen wollte ich einfach nicht aus meinem gemütlichen Bett kriechen. Obwohl ich gestern schon um 21 Uhr tief und fest eingeschlafen war, hätte ich gut noch ein paar Stunden weiterschlummern können - aber der Weg ruft. Vor mir liegt eine echte Mammut-Etappe. Ich lege heute zwei Abschnitte zusammen, was insgesamt 38,5 Kilometer bedeutet. Es ist meine bisher längste Strecke, und ich werde sie allein bestreiten. Miguel ist bereits fünf Kilometer vor mir gestartet, und ich weiß, dass ich sein Tempo heute nicht einholen werde.<br /><br />Ich starte in einem guten Rhythmus, auch wenn mich die erste Hälfte der Etappe mit Dauernieselregen und matschigen Pfaden empfängt. In Nueva lege ich eine kurze Pause ein, gönne mir eine Kleinigkeit zu essen und einen starken, heißen Kaffee, bevor ich mich wieder auf den Weg mache. Zu meinem Glück hat der Regen mittlerweile aufgehört.<br /><br />Eine echte Herausforderung ist heute die Wasserversorgung. Auf der gesamten Strecke gibt es keine Möglichkeit, meine Vorräte aufzufüllen. So muss ich mir meinen knappen halben Liter Wasser extrem gut einteilen, um über die vollen 38,5 Kilometer zu kommen.<br /><br />Gegen 15:30 Uhr erreiche ich schließlich erschöpft Villaviciosa. Nur einen Kilometer vor der Herberge macht plötzlich mein linker Oberschenkelmuskel komplett „zu“. Ich kann kaum noch einen Fuß vor den anderen setzen und schleppe mich nur dank meiner Stöcke mühsam bis ans Ziel. Beim Check-in erwartet mich eine Überraschung. Die Dame an der Rezeption berichtet mir, dass jemand in einem bestimmten Restaurant auf mich wartet. Miguel! Er war zwar schon vor einer Weile dort, aber die Nachricht allein motiviert mich.<br /><br />Da es bereits auf 16 Uhr zugeht, entscheide ich mich für eine unkonventionelle Prioritätensetzung: Trockene Klamotten an und direkt zum Essen - die Dusche muss warten, da ich nicht riskieren will, vor verschlossener Restauranttür zu stehen. Das empfohlene Restaurant entpuppt sich als absoluter Glücksgriff. Ich genieße Gambas und eine Dorade, die so fantastisch zubereitet sind, wie ich es noch nie erlebt habe. Meinen riesigen Durst lösche ich mit zwei „Claras con Limón“. Ein besonderes Highlight war Miguels Tipp. Er hatte mal erwähnt, dass der Kopf der Gambas das Beste sei. Da diese Exemplare so außergewöhnlich gut waren, habe ich es gewagt - und mein Gott, Miguel hatte recht!<br /><br />Später treffe ich Miguel in der Herberge wieder. Wir verabreden uns für morgen früh um 6:45 Uhr. Die nächste Etappe ist mit 30 Kilometern und einem anspruchsvollen Profil angegeben. Er plant, es „ruhig anzugehen“ - ich bin sehr gespannt, was Miguel unter „ruhig“ versteht.<br /><br />Heute habe ich die Marke von 460 Kilometern geknackt. Ich bin stolz darauf, wie ich diese lange Etappe gemeistert habe. Mein Ziel für die Zeit ab Gijón ist es, das von Miguel gelernte Tempo auch im Alleingang beizubehalten.<br /><br />Heute habe ich gelernt, dass wenn der Körper streikt, tragen dich der Wille und die Aussicht auf ein fantastisches Essen ans Ziel - und manchmal lohnt es sich, seine kulinarischen Vorurteile über Bord zu werfen.</div><img src="https://static.tildacdn.com/tild6132-3136-4366-b934-393161313437/Ribadesella_-_Villav.jpg">]]></turbo:content>
    </item>
    <item turbo="true">
      <title>21. Tag. 18.05.26 Villaviciosa - Gijón</title>
      <link>https://heleneknoll.com/nordic-walking/0or65c3k21-21-tag-180526-villaviciosa-gijn</link>
      <amplink>https://heleneknoll.com/nordic-walking/0or65c3k21-21-tag-180526-villaviciosa-gijn?amp=true</amplink>
      <pubDate>Sun, 24 May 2026 13:02:00 +0300</pubDate>
      <author>Helene Knoll</author>
      <enclosure url="https://static.tildacdn.com/tild3133-3061-4536-b938-303234373336/IMG_20260518_215049.jpg" type="image/jpeg"/>
      <description>Eine fordernde Etappe nach Gijón, ein bewegenden Abschied voller Dankbarkeit und ein letztes gemeinsames Abendessen, das mich lehrt, dass geteilte Lasten nicht nur leichter zu tragen sind, sondern auch den Weg für echte Freundschaften ebnen.</description>
      <turbo:content><![CDATA[<header><h1>21. Tag. 18.05.26 Villaviciosa - Gijón</h1></header><figure><img alt="" src="https://static.tildacdn.com/tild3133-3061-4536-b938-303234373336/IMG_20260518_215049.jpg"/></figure><div class="t-redactor__text">Heute sind wir ein internationales Trio: Miguel, Antonio aus Italien und ich. Auf den 30 Kilometern nach Gijón gilt es, zwei gewaltige Berge direkt hintereinander zu bezwingen. Die Steigungen sind extrem steil und ziehen sich unbarmherzig in die Länge, aber wir wissen, dass wir es meistern werden - uns bleibt gar keine andere Wahl. Antonio, der in den Dolomiten lebt und ein erfahrener Bergsteiger ist, erklimmt die Hänge im Handumdrehen und verschwindet hinter der nächsten Kurve. Da Miguel hinter mir läuft, warte ich an flacheren Stellen immer wieder auf ihn, um sicherzugehen, dass bei ihm alles in Ordnung ist.<br /><br />Unterwegs kommen wir an einer urigen Bar vorbei, die früher sicher lebhafter war. Heute verkauft die betagte Besitzerin nur noch Obst und fertige Getränke; sie erzählt uns, dass sie sich mit ihren vielen Jahren nicht mehr fit genug fühlt, um die Bar wie früher zu führen. Als Miguel nach etwas zu trinken fragt, deutet die Señora mit einem schelmischen Lächeln auf eine Flasche Rotwein. Wir lachen alle herzlich, lehnen aber dankend ab - es ist erst 11 Uhr morgens und wir haben noch die Hälfte des Weges vor uns. Antonio und Miguel stärken sich mit Bananen und Limonade, und dann ziehen wir gemeinsam weiter. Die beiden legen ein beachtliches Tempo vor, sodass ich unterwegs kaum zum Fotografieren komme, um den Anschluss nicht zu verlieren.<br /><br />Es ist faszinierend zu beobachten, wie sich Antonio und Miguel unterhalten. Der eine spricht Spanisch, der andere Italienisch, doch sie scheinen einander perfekt zu verstehen. In Gijón angekommen, verabschieden wir uns von Antonio, der heute noch zehn Kilometer weiterziehen möchte. Den restlichen Abend verbringen Miguel und ich gemeinsam in der Stadt. Es ist sein letzter Abend auf diesem Camino. Morgen fährt er mit dem Zug nach Hause und wird erst im Oktober von hier aus Richtung Santiago starten. Gijón ist eine große Stadt mit vielen modernen, nicht unbedingt schönen Hochhäusern, aber der Spaziergang durch die Straßen tut unseren müden Beinen unglaublich gut. Es ist wichtig, die Muskeln nach einem so langen Marsch noch ein wenig „auszulaufen“.<br /><br />Zum Abendessen kehren wir in eine authentische Sidrería ein, die ihren eigenen Sidra produziert. Das Essen ist einfach, aber unglaublich lecker, und die Atmosphäre ist wunderbar lebendig. Die Kellner wirbeln zwischen den Tischen umher, schenken Sidra nach, verteilen kleine Häppchen und plaudern mit den Gästen. Ich versuche in jedem Ort etwas Typisches zu probieren, und Miguel freut sich sichtlich, wenn es mir schmeckt. Dabei fällt mir wieder auf, was für ein Gentleman der alten Schule er ist. Er fragt mich erst nach meinen Wünschen und gibt dann die gesamte Bestellung an den Kellner weiter - eine Aufmerksamkeit, die man heutzutage nur noch selten erlebt.<br /><br />Beim Abschied versprechen wir uns, einander ein Foto zu schicken, sobald wir jeweils Santiago erreicht haben. Morgen werde ich wieder allein unterwegs sein, und der Gedanke macht mich ein wenig traurig. Heute habe ich einmal mehr verinnerlicht, dass selbst schwere Aufgaben in einem Team viel leichter zu bewältigen sind - auch wenn jeder in diesem Team seine ganz eigenen Themen zu meistern hat.<br /><br />Heute habe ich gelernt, dassein gemeinsames Ziel über Sprachbarrieren hinweg verbindet, und die richtige Begleitung lässt selbst die steilsten Berge kleiner erscheinen.</div><img src="https://static.tildacdn.com/tild6364-6466-4537-b966-623133326335/Villaviciosa_-_Gijon.jpg">]]></turbo:content>
    </item>
  </channel>
</rss>
